Always Look On The Bright Side Of Life

Neulich war ich mal wieder am Sudern (irgendwie meine Lieblingsbeschäftigung seit ich im ‚always super happy awesome amazing everything is so cool‘ Amerika bin) und als ich am Luftholen war, um einen weiteren Schwall Suderei auf meine Freundin los zulassen, hat sie mich einfach unterbrochen und fragte: „Und was gibt es Positives zu berichten? Wofür bist du dankbar?“ Urhm… don’t, I repeat, DO NOT interrupt me while complaining. Just don’t. (das Gleiche ist mir passiert, als ich meine Freundin über Mail angejammert habe, (ich bin ja soooo arm!!!) und sie dann nur gemeint hat: Ich hab einfach keine Lust zum Sudern- bitte, wie kann man keine Lust am Sudern haben?)

Vor ein paar Jahren, als ich als mit einer Freundin Kaffee trinken war, meinte sie dann irgendwann: „Schon lustig, du regst dich über die sudernden Wiener auf, und selber bist du nur am Sudern“ (OK, das heisst wohl, ich bin im Herzen eine Wienerin?)

20150911_191944

Irgendwann habe ich dann begonnen, mich selbst zu beobachten und habe feststellen müssen, ich jammer schon ganz schön viel. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, fällt mir erst mal nur das Negative ein (Ich wohne im Wald! Meine Mitschüler! Das Essen!). Ich habe mir sogar schon diesen quengeligen Ton angewöhnt, auf den ich eigentlich so allergisch bin. Urgh, hate it. Echt, ich halt das nicht aus, wenn jemand mit so einer jaaaammmernden Stimme daherkommt, die Wörter langzieht, das Gesicht verzieht und alles rausquetscht. Bitte, rede normal.

Ups, ich rede genauso. Laaaaaangezogen. Und alles ist so furchtbar und ich bin so arm. (bin ich wirklich!)

Aber warum sudere ich überhaupt?? Mir geht es doch gut. Ich habe ein Dach über meinen Kopf, ein Bett, ein eigenes Bad (ein Luxus! Als Aupair musste ich ein Bad mit den Kindern teilen), ich muss keine Miete zahlen, der Kühlschrank ist voll, ich habe ein funktionierendes Handy, ganz liebe Mitbewohner, ich kann und darf hier studieren, ich habe die Natur vorm Haus (gestern habe ich eine Schildkröte entdeck, die im Garten wohnt und sie Getrude genannt)… warum beklage ich mich dann standing?

Klar, ich habe kein eigenes Auto, bin finanziell abhängig, das Internet funktioniert nicht immer super, das Wasser aus dem Wasserhahn kann man nicht trinken (aber es ist sauber! Und das Geschäft ist nur 15 Minuten entfernt) und es gibt (leider sehr oft) Missverständnisse, die auf die Unterschiedlichkeit unserer Kulturen zurück zu führen sind (wenn wer daheim wer sagt: „treffen wir uns doch auf einen Kaffee“ dann meint man: „wann hast du die Woche Zeit“- meistens jedenfalls. Sagt hier jedoch jemand: „We should get coffee sometimes“ ist das in Wirklichkeit nur eine Höflichkeitsfloskel. Wie oft stand ich dann schon mit dem Kalender da und hab geschaut, wann wir uns treffen können, während die andere Person ganz geschockt meinte: „I’ll give you a call“… oder auch nicht.)

Ich möchte eine positive Einstellung zum Leben haben, ich möchte dankbar sein. Und Grund zum Danken gibt es schließlich genug. Ich möchte es mir zur Angewohnheit machen, wenn jemand fragt, wie es mir geht, nur Positives berichten. Und dem Negativen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, ändern kann ich es eh nicht. Mal schauen, wie mein kleines Experiment sich auswirkt auf mich und auf meine Mitmenschen.

Denn wie heißt es so schön: Loben zieht nach Oben und Danken schützt vor Wanken. Oder so:-)

Und weil der Freund meinte: ich hoffe du übertreibst beim Positiven genauso, wie du es beim Negativen tust, hier ein paar Dinge, über die ich EXTREMST dankbar bin:

  • der Herbst naht. ENDLICH. Die Temperaturen sinken, ich kann wieder Strümpfe anziehen. JUHU.
  • MEINE SCHWESTER KOMMT AM MONTAG. ICH DREH DURCH.(Und diesmal bleibt sie ein bisschen länger als nur 24 Stunden)
  • momentan fühle ich mich so fit und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Ich ernähre mich gesund, betreibe Sport… (Ok, im Moment kann ich kaum gehen, wegen so viel Rennerei und Ententanz…)
  • Letztes Wochenende war Oktoberfest… OA ZAPFT IS! Und wir sind nach dem Gottesdienst hingegangen. SAUERKRAUT, meine Leibspeise! Und ENTENTANZ (ich oute mich hiermit als Ententanzfan!!) Und ja, ich bin im Dirndl hingegangen und die Amis waren amused. (und diesmal habe ich zum ersten Mal meine Schleife rechts getragen, weil ich jetzt kein Single mehr bin:-)) wir hatten so eine Gaudi, die Kinder und ich. Und der Bua in Lederhosen, meine Güte!!!! (er meinte: „Can I go with you the fest? I guess I can do that. It is such a nice day. let’s wait for our girls.“
  • ich habe so eine gute Beziehung zu meiner Ex Gastfamilie
  • meine Familie. Ich hab so eine tolle daheim!
  • ich darf hier bei einer ganz tollen Familie wohnen
  • mir macht das Studium total viel Spass. Ich schreibe gute Noten, bin super motiviert… so etwas habe ich schon echt laaange nicht mehr gehabt.
  • mein Handy funktioniert, ich hab Essen am Tisch, ich bin gesund, ich darf wählen,  ich kann Auto fahren…

uci bikerace 2015 (6)

IMG_20150923_095550

Ohja, ich hab allen Grund, mit der Suderei aufzuhören.

 

 

 

 

Advertisements

6 Gedanken zu “Always Look On The Bright Side Of Life

  1. Liebe Lisa,
    haha sudern ist ja ein lustiges Wort 😀 Aber hast du sehr schön geschrieben über das Dankbar sein und alles 🙂 Ich wollte dir nur kurz bescheid sagen, dass ich mich total freue, dass du eine Followerin von meinem Blog bist und dass ich ab jetzt statt auf http://www.alissaloves.wordpress.com auf http://www.alissaloves.de blogge! Ich würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn du auch dort ab und zu vorbei schauen würdest und vielleicht ja sogar wieder eine Followerin per Mail oder über WordPress werden würdest! 🙂 Liebste Grüße, Alissa ❤
    http://www.alissaloves.de

    Gefällt 1 Person

  2. Oohhhh Lisa :-*

    Mir geht es auch grad so. Jammern jammern jammern.
    wenn man danm von einer Freundin hört: du jammerst schon viel. Schau doch wie gut es dir geht.
    und man realisiert: ich habe ein EIGENES auto, dass ich nichz mit den Eltern oder Schwester teilen muss. Ich kann mir eine eigene Wohnung leisten. Ich habr einen gut bezahlten Arbeitsplatz. Ich übe meinen Traumberuf aus… ruft man sich in Erinnerung wie dankbar man dafür sein kann und welchen Luxus man hat.

    Dankbarkeit hebt die Stimmung und das Bewusstsein :-*

    Weiter so.
    xoxo

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s