Was mich (negativ und positiv) geprägt hat.

Der Titel zu diesem Beitrag könnte auch heißen:

„Liebe Frau Professor S., liebe Frau Professor B.!
Liebe Frau Kollegin und liebe Frau Chefin!“

Als ich zwölf Jahre alt war, hatte ich eine furchtbare Deutschlehrerin. Und ich übertreibe nicht. Einmal hat sie uns in einen Sitzkreis beordert und wir durften sagen, was wir werden wollen, wenn wir groß werden. Ich hatte viele Berufswünsche, als ich jünger war: Polizistin, Verbrecherin, Tierärztin, Köchin, Kindergärtnerin, Elefanten-/Pinguin-/Tigerpflegerin im Tiergarten, Forscherin und Meeresbiologin (nachdem ich „Zeus und Roxanne“ gesehen hatte und dachte, alle Meeresbiologen wohnen in Australien oder Florida und arbeiten mit Delfinen),
Jedenfalls saßen wir so rum, und jeder hat seinen Berufswunsch genannt. (Also eigentlich „ihren“, wir waren nur Mädchen und unsere Lehrerin war sehr pro gender, also wurde ALLES gegendert)

Und die Lehererin hat zu ausnahmslos JEDEM etwas Negatives gesagt. Als ich an der Reihe war, nannte ich also etwas unsicher was ich werden wollte (ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was damals auf der Liste stand, ich denke damals wollte ich ein Cateringunternehmen gründen).

Und ihre Antwort war: „Naja, vielleicht sollten wir mal an unseren Noten arbeiten und dann überlegen was wir werden wollen. Mit unseren Noten werden wir  wohl kaum auf die Uni kommen.“

Einige Jahre später hatte ich eine Englischlehrerin, die, gelinde gesagt, wenig beggeistert von meinen Englischkenntnissen war und mir das auch immer wieder unter die Nase gerieben hat. Um es mal so auszudrücken: „Mit deinen Englisch Kenntnissen wirst du es nie schaffen.“ (Vorallem, weil ich dank eines Austauschjahres in Argentinien, wo ich ich 2 Amerikanerinnen kennen gelernt hatte, mehr American English als British English gesprochen habe)

Vor einigen Jahren hatte ich einen Job als Weihnachtsaushilfe. Schon am ersten Tag kam ich heulend heim, weil meine Kollegin und meine Chefin so arg waren. Nach einer Woche hatte ich solche Rückenschmerzen, dass ich kaum stehen konnte. Jeden Abend kam ich heulend heim, jede Mittagspause hoffte ich, ich würde mir mein Bein brechen, damit ich nicht zurück musste, jeden Morgen wachte ich nach Alpträumen auf und kam zitternd zur Arbeit. Nach vier Wochen hat es meiner Mutter gereicht und sie hat mir sehr nahe gelegt, endlich zu kündigen. Und nachdem mich die Chefin wieder mal vor einer Kundin bloß gestellt hat („Sind Sie wirklich so blöd oder tun Sie nur so?“), habe ich mich krank gemeldet und schließlich gekündigt. Noch Wochen nachher war ich so verunsichert, bei jedem noch so kleinen Fehler oder „Kritik“ von jemanden, begann ich zu heulen. Und ich spreche von: „Könntest du dem Baby statt der blauen die gelbe Trinkflasche geben, weil die gelbe lässt sich einfacher reinigen“- und schon begann ich zu zweifeln, hatte Schweißausbrüche etc. Und das alles, weil zwei Menschen mir gesagt haben, ich bin zu dumm und unnütz, um irgendetwas zu machen.

Und dann gab es positive Menschen. Wie meinen Papa, der Post-its hinterlässt, oder mal einen Brief schreibt, oder zwischendurch eine SMS schickt: „Ich bin unglaublich stolz auf dich.“ „Ich habe deine gestrickten Socken gesehen, tolle Arbeit“, „Der Kuchen den du gebacken hast, war unglaublich lecker“.

Oder meine Mama, die einfach zuhört und mich daran erinnert, was meine Gaben sind.

Oder das Kind, auf das ich mal aufgepasst hat: „Wow, du bist echt eine tolle Babysitterin. Du bist echt gut darin, das Baby zu wickeln“

Oder meine Kursleiterin, die mir nahe gelegt hat Gebärdenspache zu studieren, weil ich ein Naturtalent sei.

Was ich damit sagen will: Oft begegnen wir Menschen, die uns einreden wollen, dass wir etwas nicht können. Dass wir dumm sind. Dass wir es nicht schaffen konnen.  (Und klar, manchmal ist es notwendig, dass uns jemand ehrlich sagt: „ich glaub nicht, dass du Sängerin werden kannst, du kannst einfach nicht singen'“ Was in meinem Fall auch stimmt.

Meine Deutsch- und meine Englischlehrerin haben beide behauptet, ich werde es nie zu etwas schaffen.
Nun ja, liebe Frau Professor S. und liebe Frau Professor B.: Wenn ich so unbegabt bin, wie kommt es, dass ich jetzt zum 2. mal mit nur 1ern das Semester abschließe (Im Durchschnitt habe ich 96/100 Punkten erreicht), und mein Geschichtsprofessor von meiner  Geschichtsarbeit so begeistert war, dass er sie in anderen Kursen als Beispiel verwenden mochte? Falls Sie das hier lessen, ich versuche es jetzt möglichst höflich auszudrucken: IN YOUR FACE.

Also, lasst euch nicht unterkriegen, es wird immer jemanden geben, der versucht euch einzureden, ihr seid nichts wert und könnt nichts. Da müssen wir drüber stehen.

Oder um es mit  Eleanor Roosevelt’s Worten zu sagen:

No one can make you feel inferior without your consent

Apropo Erfolg: Eine Frau aus meiner Dienstagsbibelrunde bekam im Dezember die Diagnose, dass sie wohl nie wieder laufen können würde,… letzte Woche fuhr sie mit ihrem Mann nach Frankreich und konnte ohne Gehhilfe 600 Stiegen zu einem Schloss raufgehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Advertisements

7 Gedanken zu “Was mich (negativ und positiv) geprägt hat.

  1. sehr wahr, sehr wahr. schöner artikel! traurigerweise wiegt für selbstkritische menschen ein kleines, zynisches oder böses stimmchen mehr als 10 komplimente. aber man darf sich nicht unterkriegen lassen und sollte sich immer auf das besinnen, was man geschafft hat und auf die menschen, die an einen glauben. aber diese „in your face“ gedanken hatte ich zuletzt sehr stark, als die person, die mich an meinem letzten arbeitsplatz wirklich schlimm gemobbed hat (3 monate lang hat den ganzen tag niemand im büro mit mir gesprochen) ihr haus versteigern hat müssen. ist zwar jetzt was anderes weil mit mir nix zu tun aber: karma is a b*tch only when you are!!!

    Gefällt mir

    • genau!:-) die volksschullehrerin meiner grosen schwester hat meiner Mama damals, als sie eingeschult wurde, gesagt, dass Statistiken besagen, dass Kinder aus Familien mit mehreren Kindern kaum die Matura schaffen warden… nun ja, sie hat es geschafft:-) (wir alle haben es geschafft haha)

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s