Heute is ein guter Tag.

Ich sitze im Café, eine Tasse dampfender Kaffee steht vor mir,  ein halb gegessenes Croissant liegt auf meinem Teller. Im Hintergrund spielt es französische Musik, die mich an den Film Chocolate erinnern. Stimmengeschwirr, es riecht nach frischem Gebäck.
Heute ist ein guter Tag. Obwohl ich es nicht ins Fitnessstudio geschafft habe (der innere Schweinehund, der fiese!).
Draußen ist es kalt, und nebelig, aber die Sonne blitzt durch. Die Bäume leuchten in orange, gelb, und rot.
Eben habe ich mich von meiner Freundin verabschiedet, mit der ich mich zum Frühstück getroffen habe. Ich habe noch eine Stunde bevor ich zur Arbeit muss. Ich lese A Gentleman in Moscow und verliere mich in den Worten. Seit langem bin ich so richtig motiviert. Heute wird gestaubsaugt und gemoppt. Und endlich Fotos ausgesucht und gedruckt, fürs Fotoalbum und zum verschicken. Und für das Haus, zum aufhängen. Seit 2 1/2 Monaten wohnen wir schon in UNSEREM HAUS(!!!) und nachwievor sind alle Wände kahl. Vielleicht beginne ich auch das Wohnzimmer fertig auszumalen.
Ja, heute ist ein guter Tag.

 

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Ein perfektes Herbstwochenende

Montagmorgen. Uff. Grau in Grau. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett verkriechen und literweise Tee trinken und lesen der stricken oder einfach nur die Wand anstarren. Gestern haben wir zum ersten Mal die Heizung aufgedreht und heute Nacht wurde ich wach, weil der Wind so durch die Bäume gepeitscht hat. Ich krieche aus dem Bett, nur ungern verlasse ich meine warme Höhle. Schlaftrunken koche ich dem Mann und mir eine Tasse Tee, schweigend sitzen wir am Tisch und essen unser Frühstück. Eine Prüfung steht heute an und ich muss zum Ikea. In Gedanken aber bin ich noch ganz woanders. In einer gemütlichen Hütte in den Bergen, umgeben von gelben, roten, orangen Laubbäumen, eingekuschelt in einer Decke vorm Kamin, Karten spielened mit Freunden.

Morgens standen alle im Pyjama in der Küche, eine Tasse Kaffee in der Hand, die Kürbispalatschinken in der Mache. Im Hintergrund lief Football im Fernsehen, der Speck brutzelte in der Pfanne und die ganze Hütte roch nach Herbst, Kaffee und Zimt. Die Zeit stand still dieses Wochenende, alles ging ganz langsam. Wir waren spazieren, Kaffee trinken, haben Karten gespielt, gegessen, Football angeschaut, gelesen, viel geschlafen und noch viel mehr gelacht.

Ja, Herbst, du bist so schön. Vorallem mit Freunden.

 

Kleinigkeiten die mein Herz erfreuen.

Ich erfreue mich der kleinen Dinge, kleine Aufmerksamkeiten, Dinge, die andere vielleicht nicht einmal so wichtig nehmen.

Mein Papa zum Beispiel schickt mir immer wieder eine Karte und ein Kreuzworträtsel aus meiner Lieblings Zeitung. Als ich noch daheim gewohnt habe, gehörte das Zeitungslesen und Kreuzworträtseln am Samstag zum Frühstück dazu wie das Amen in der Kirche. Und ich vermisse es! Und darum schickt mir mein Papa immer wieder das Rätsel. Ich koche mir dann eine Tasse Kaffee und rätsle.

Oder Hausputzen. Das Putzen an sich find ich jetzt nicht so berauschend, aber dieses Gefühl der Ordnung und Sauberkeit bereitet mir unglaubliche Freude (und gibt mir ein Gefühl der Sicherheit). Die Woche habe ich zum ersten mal mit ätherischen Ölen geputzt und bin begeistert. Erstens find ich weniger Chemie sowieso super und zweitens duftet es herrlich (und ich hab gelesen, Käfer, Spinnen und Kakerlaken hassen Pfefferminze- und Zitronenduft. Mögen diese depperten Viecher jetzt in Zitronenduft verrecken). Habt ihr Erfahrungen/Tips mit ätherischen Ölen?

Langsam wird es kalt, morgens ist es herrlich ‚crisp‘ outside und bald hole ich meine Winterssachen heraus.

Eben Kleinigkeiten, die mein Herz erfreuen!

Tuesdays with Lisa

Letzten Freitag kam zu Mittag der Anruf aus dem Labor: keine Glutenunverträglichkeit und die Schilddrüsenwerte sind so so so viel besser. Uffda. Was für eine Erleichterung. Erst mal Pizza mit extra Gluten bestellen. Naja, aufpassen muss ich trotzdem und beobachten, wann ich Kopfschmerzen, Sodbrennen, Halsweh und dieses Enge-Gefühl habe. War es nur Stress?

Jetzt ist es schon Mitte Oktober, Wahnsinn, oder? Und ich habe so richtig Bock auf Stricken, Tee trinken, Kürbis, Apfelkuchen, Abende vorm Kamin, dicke Schmöker, Wollsocken und Kerzen. Letzte Woche hatteb wir noch wir um die 20-25 Grad (sogar 30!), aber über Nacht sind die Temperaturen gefallen und jetzt ist der Herbst da und im Haus sieht es schon richtig gemütlich aus.

Am Wochenende sind wir dem Lagerkoller entflohen und sind nach Greenville, South Carolina gedüst [etwa 1 1/2 std entfernt]. Durch die Stadt bummeln, Kaffee trinken, im Park sitzen, weltbestes Eis schlecken, jede Menge Hochzeiten sehen… „kannst dich noch bei unserer Hochzeit erinnern…?“ „Du warst die schönste Braut“, flüstert mir der Mann zu. Ich werde rot und kichere wie eine 13jährige. Abends saßen wir in einem urigen Café und ich habe den ersten hot apple cider der Saison geschlürft. Wir reden über das Haus, meinen Mathekurs, unsere Bibelrunde, und wie glücklich wir sind, nach Charlotte gezogen zu sein. Und wie ich manchmal genauso wie mein Papa klinge. Vorallem wenn ich Autofahre. [Hallo Papa!].

Jetzt, wo die Abende auch länger und dunkler werden, habe ich auch wieder mehr Lust zum Lesen.

Auf meinem Nachttischt: liegen im Moment drei Bücher: Anna Karenina, A Gentleman in Moscow und Chickensoup for the Woman’s Soul.

Im Fernsehen: schaue ich gerade The Dick van Dyke Show. Das war ja wohl ein talentierter Mensch! Eine ’saubere‘ Show, ohne viel Drama, dafür umso mehr Humor.

Am Herd: bluppert Kürbissuppe, Lasagne, Lachs, Roast beef. Oh und Zimtschnecken.

Wieder entdeckt: habe ich die Farbe grün. Ich habe jahrelang kein Grün getragen, aber jetzt hole ich meine grünen Westen und Tshirts wieder raus! Ich habe auch begonnen, eine grüne Decke zu stricken.

Im Haus: stelle ich Kürbisse, Kerzen, und Schüsseln mit Bockerln auf. Und jede Menge Pflanzen. Ich bin zur Pflanzensammlerin konvertiert: Je ausgefallener die Pflanze, desto besser! Sukkulenten, Air plants, Kakteen und Grünlilien.

So.

Seit Wochen schleiche ich nun um den Computer herum, öffne immer wieder die Blogseite, schreibe einen Titel, schreibe ein paar Zeilen, überlege es mir doch wieder anders, lösche den Beitrag. Und dann liege ich nachts wach, weil es mir unter den Fingern brennt, rutsche im Gottesdienst ungeduldig hin und her, weil sich meine Gedanken und Ideen für einen Post überschlagen. Kaum sitze ich aber an meinem Schreibtisch, verwerfe ich die Idee wieder.

Ich habe Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenunterfunktion. So, there, I said it. Seit Anfang August muss ich nun regelmäβig zum Arzt, meine Blutwerte anschauen lassen, die einfach viel viel viel zu hoch sind, und meine Schilddrüse untersuchen lassen, die einfach viel viel viel zu groβ ist. Meistens geht es gut, manchmal habe ich Schübe, wo mein Hals ganz eng wird, ich heiser werde, ich keine Energie habe. Eine Möglichkeit, die jetzt angeschaut wird ist, Gluten wegzulassen. Yay, jetzt kann ich wieder an einem neuen hype teilnehmen, „I’ll get the cinnamon non fat soy latte with glutes on the side“ Die Gluten kann dann Daniel essen. Haha.  (Hat wer Erfahrung mit glutenfreier Ernährung?)

Gestern kamen unsere ersten Abendessgäste zu uns. Zu Essen gab es einen Braten mit Wurzelgemüse und zum Nachtisch Apfelkuchen. Weil, Herbst. Wir haben gelacht, gegessen, philosophiert, Babybauch gestreichelt, über Gott und die Welt geredet. Ich mag Gäste! Ich mag es, neue Leute kennenzulernen, zu bewirten, ihnen etwas Gutes tun! Und ich mag meine Freunde! (Und den Babybauch! Das Baby hat  sogar getreten!)

Letzte Woche haben wir auf einem Flohmarkt einen wunder-wunderschönen Esstisch mit passenden Sesseln gefunden Rot und retro und past perfekt in unser 60iger Jahre Haus. Endlich kein am Sofa/oder Fuβboden-essen mehr.

Eine Zeitlang hat mich das Lesen so gar nicht gefreut, dafür aber Hörbücher. Da habe ich meine Stadtbibliotheksmitgliedshaft aber ordentlich genutzt. Langsam erfreut mich das Lesen wieder mehr. Ich habe auch gelernt, ich muss nicht jedes einzelne Buch, das irgendwo erwähnt wird, lesen. Und es ist OK, wenn ich ein Buch nicht fertig lese, weil es einfach zu depressiv ist. Zur Zeit lese ich 2 Bücher, eines für meinen Buchclub (A Tree Grows in Brooklyn, Betty Smith) und eines für meine Seele: Chickensoup for the Woman’s Soul. Beim Autofahren höre ich zur Zeit wieder Norah Jones und daheim ebenso. Gemischt mit Regina Spektor. Auβerdem habe ich mir auch The Hiding Place (Corrie Ten Boom) und Beloved (Toni Morrison) ausgeborgt. Sonntag nachmittag schauen Daniel und ich gerade total gerne die Dick van Dyke Show.

Seit 2 Wochen treffe ich mich nun regelmäßig mit einer Gruppr von Frauen, um das Wort Gottes zu studieren. Wir lesen die Apostelgeschichte, und es macht so viel spaß, geschichtliche und kulturelle Fakten dazuzulernen!

Eine Zeitlang war ich was Kochen anbelangt sehr einfallslos. Spaghetti mit Tomatensauce, Henderl mit Reis, Gnocchi mit Tomatensauce, Henderl mit Sauce. Das soll sich jetzt aber ändern! Ich habe 2 neue Kochbücher auf dem Flohmarkt erstanden, mit lauter Südstaaten Soulfood Rezepten, die ich gerade am durchschmökern bin. Heute habe ich Weiβkohl gekauft, um Sauerkraut einzumachen.

Außerdem war ich gestern mit einer Freundin spazieren, wir haben Bockerln gesammelt und Grünzeug gerupft. In Vasen arrangiert, und fertig ist die Herbstdeko. Duftet nach Natur, war gratis und ist doch viel schöner anzuschauen, als dieser Plastikkram! Heute Morgen war ich im Bastelgeschäft und werde es wagen, einen Herbsttürkranz zu binden. Ui, ui! Ich jab so richtig Bock auf Herbst!

Apropos Herbst, eben hatte ich ein Vorstellungsgespräch! War mega nervös und kam overdressed an, mit schwarzer Hose und weißer Bluse und das bei 30 Grad! Aber, better overdressed than underdressed!

Heute abend schreib ich eine Matheprüfung, eigentlich sollte ich ja lernen… die letzte Prüfung war ein 1er, mein 1. Matheinser in…. 100 Jahren? Meine Mama, bless her heart, meinte dann gleich, ‚ja, aber jetzt darfst du auch lernen, dass eine 2 auch OK ist.‘ Ui. Na ich stell mich darauf ein.

So. Das wars.

Also, drückts mir die Daumem, für Prüfung, Job, und lasst mal hören, was ihr so von Gluten hält!

Diese Woche…

… habe ich die erste Prüfung des Semesters geschrieben.

… haben wir endlich endlich Internet installiert bekommen.

… wartet ein rießen Wäscheberg darauf, gebügelt zu werden.

… sind die Temperaturen dank Irma gewaltig gesunken und ich konnte endlich endlich meine Herbstsachen anziehen.

… habe ich einen neuen Stapel Bücher aus der Bibliothek abgeholt.

… höre ich ganz viele Hörbücher.

… klappere ich diverse Flohmärkte und Second Hand Läden ab, auf der Suche nach funky Dekoartikel.

… treffe ich mich mit meinen Gebetsmädls zum Frühstück. Im Moment sehne ich mich nach langen Gesprächen, Ehrlichkeit und Gebet.

… apropo Gebet. Apostelgeschichte 1, 8 gibt mir im Moment so viel Kraft.

… hatte ich mein Buchclubtreffen. Wir haben The Goldfinch gelesen, und obwohl (oder gerade weil?) wir nur zu viert waren, war es eine ganz tolle Diskussion. Dazu haben wir Tee geschlürft und Karotten geknabbert.

… stricke ich wieder mehr.

… genieße ich die Sonnenstrahlen.

Chill deine Base.

Dass ich etwas perfektionistisch und kontrollfreakisch veranlagt bin, habe ich ja schon hier und da mal erwähnt. Oft erleichtert es mir das Leben- so muss ich zum Beispiel fast nie Schlüssel oder Brille suchen, da diese immer am selben Platz liegen. Auch muss ich (äuβerst) selten bis spät abends Hausübung auf den letzten Drucker machen. (Hätte mir das mal wer während meiner Gymnaisumzeit gesagt, das Leben wäre so viel einfacher gewesen!!! Halt. Stopp. Ich erinnere mich nun wieder an die täglichen Predigen meiner Eltern)

Während mein Leben (oft) einfacher ist, mache ich es anderen oft extrem schwer mit meinem Kontroll- und Ordnungswahn (der arme Mann, er will doch nur die Geschirrtücher wegräumen und bekommt von mir eine am Deckel, weil sie nicht farblich sortiert sind…).

Leider erschwere ich mir das Leben auch manchmal und stehe mir selbst im Weg mit meinen hohen Ansprüchen.

So wie die letzten paar Wochen. Wir sind dieses Wochenende umgezogen und das Haus musste absolut ausgemalt und absolut geputzt und absolut perfekt sein. Jeden Abend lag ich total k.o am Sofa, heulend, weil das Haus IMMER NOCH NICHT perfekt ist und mir die Zeit davonrennt. Ein Nervenanfall folgte dem anderen und als ich dann noch erfahren habe, dass der Elektriker NOCH einen Tag länger braucht als gedacht, habe ich meine (zu hohen und sehr unrealistischen) Ansprüche über Bord geworfen. Dann ist das Haus halt NICHT fertig ausgemalt, der Rasen gemäht, der Gemüsegarten gepflanzt, und die Esszimmermöbel kommen auch erst. In Wirklichkeit ist es doch egal, dass wir eine Woche lang am Boden essen und das Gästezimmer noch warten muss.

Und ich bin so viel entspannter. Ja, es stehen überall die Umzugskartone rum und es macht mich WAHNSINNIG, dass die eine Wand einen Fleck hat, der dringenst übermalt werden muss. Und ja, wir haben noch kein Internet und auch kein Warmwasser und das Gras muss dringenst geschnitten werden.

ABER. Chill einmal!

Apropo chillen. Geplant war, dass wir Samstags umziehen. Dann war der Lastenaufzug nicht verfügbar, die Möbelpacker mussten umgebucht werden, und die nächste Krise stand an, weil es (mal wieder) nicht nach meinem Plan ging.
ABER. So hatten wir einen Tag länger Zeit zum packen, konnten in Ruhe frühstücken und ins Ikea fahren, und abends noch auf das Baby meiner Freundin aufpassen.
Sonntag kamen die Möbelpacker  2 Stunden zu spät und der Schlosser kam statt um 12, erst um halb sechs am Abend. Und während ich in Gedanken schon den Beschwerdebrief verfasste, erinnerte mich Daniel daran, ruhig zu bleiben. Und im Endeffekt ist sich alles perfekt ausgegangen, den der Lastenaufzug war noch besetzt und wären die Möbelpacker pünktlich gewesen, hätten die auch nichts machen können und wir hätten sie fürs rumstehen bezahlt und der Schlosser wäre, wenn er püntklich gewesen wäre, vor verschlossener Türe gestanden.

Also, manchmal muss man echt nur chillen. Oder wie sagt man auf Instagram? #chillyourbase

 

 

 

Sonnenfinsternis.

Am Montag stand halb Amerika still. Nun ja, nicht ganz still. Eher saßen/standen alle mit fancy schmancy Sonnenbrillen und starrten in den Himmel.

Wir hatten nämlich Sonnenfinsternis. Charlotte lag zwar nicht in der Bahn (?), aber zu 98%iger Sonnenfinsternis haben wir es geschafft.

Ganz kribbelig standen wir um 14.30 am Parkhausdach, mit gefühlt 100 anderen und starrten in den Himmel (natürlich mit Brille). Um 14.41 war dann peak time- der Mond bedeckte die Sonne zu 98%! Ich bekam Gänsehaut! Es wurde zwar nicht dunkel bei uns, aber es wurde deutlich dunkler, es sah fast so aus, als würde man durch eine Sonnenbrille blicken.

Ein tolles Erlebnis!

 

Ich hab’s überlebt.

Der erste Schultag ist überstanden und wie ihr seht, lebe ich noch.

Ich war so nervös, dass ich eine Stunde zu früh auf der Uni war, aber so konnte ich zumindest einige administrative Dinge erledigen- Studentenausweis abholen, Parkausweis holen, Bücher besorgen und mir weitere Horrorszenarien ausmalen. Wie zum Beispiel, dass ich im falschen Saal sitze. Oder meinen Kulli vergesse, und nicht mitschreiben kann. Oder, noch schlimmer, eine Antwort nicht weiß. Oder, ganz furchtbar, das falsche Buch gekauft habe.

Was ich auch getan habe (also das falsche Buch gekauft). Und ich lebe noch. Und eine Antwort wusste ich auch nicht, ich habe mich sogar einmal verrechnet. Und im Stau stand ich auch, als ich zu meine Abendkurs fuhr. Und so kam ich erste 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn an, als 15, wie erhofft.

Ihr könnt es euch schon denken, ich bin ein sehr ängstlicher, nervöser Mensch, mache mir dauernd Sorgen und male mir worst-case-Szenarien aus.

Seit wann das so ist, kann ich nicht sagen.

Heute habe ich mich mit einem Studienberater einer anderen Universität getroffen, um über meine weiterführende Ausbildung zu reden. Welche Möglichkeiten gibt es? Was habe ich geschwitzt, als ich zum ersten mal auf die Website der Uni ging, und bisschen recheriert habe, dreimal habe ich die Email begonnen und wieder gelöscht. Und dann endlich abgeschickt. Ich auf einer so großen Uni? Das schaff ich nicht. Da verlauf ich mich. Dem Druck bin ich nicht gewachsen. Was, wenn…

Und es sind gleich 2 worst-case Szenarien eingetroffen: ich habe mich verfahren und war im falschen Gebäude und bin dann völlig verschwitzt zu spät zu dem Termin gekommen. Um genau zu sein, 2 Minuten zu spät. Was aber eh wurscht war, weil es der falsche Tag war. Und soll ich was sagen? Ich habe es überlebt, wir haben drüber gelacht und dann geplaudert, ich habe Fragen gestellt, viele Notizen gemacht und bin dann nach Hause gehüpft vor Freude. Ob ich mich bewerbe? Ich weiß es noch nicht, ich muss noch etwas mehr recherchieren. Aber es war zumindest ein Anfang und mir wurde bewusst, auch worst-case-szenarien sind überlebbar.

Erster Schultag.

Am Mittwoch fängt die Uni wieder an. Ich freue mich sehr darauf, wieder zu studieren, neue Dinge zu lernen, mein Hirn herauszufordern und neue Menschen kennen zu lernen. Ohja, ich gehöre zu der Sorte Mensch, die gerne studiert, gerne lernt, gerne Hausübung macht, gerne research papers schreibt und gerne in der Bibliothek liest. Das war nicht immer so. Im Gegenteil, bis vor einigen Jahren wurde mir beim Gedanken daran, ein 4 Seiten Essay zu schreiben, schlecht. Hausübung wurde 5 Minuten vorm Unterricht schnell abgeschrieben.

So sehr ich mich auf das Herbstsemester freue, so sehr bammelt es mich auch. Ich fange an einer neuen Uni an. Was ziehe ich an? Was, wenn mich niemand mag? Was, wenn ich zu spät bin? Was, wenn ich mich nicht auskenne? Meine Stifte vergesse? Mein Buch? Was, wenn ich versage und den Stoff nicht verstehe? Den Test nicht bestehe? Eine 2 statt einer 1 bekomme? Wenn ich so nervös bin, dass ich zum schwitzen beginner? Was, wenn…

Dieses Gedankenwirrwarr kenne ich gut. Vor jedem Semesterbeginn geht es mir so. Mir wird schlecht, ich kann nicht schlafen, ich packe meinen Rucksack 786 mal um, kontrolliere hundert mal, ob sich mein Stundenplan geändert hat, bin viel zu früh in der Klasse, bin überfordert mit dem Semesterplan, kriege Schweiβausbrüche, wenn ich den Hausaufgaben-, Essay- und Prüfungsplan sehe. Das dauert die erste Woche an, und dann geht es wieder. Ich organisiere mich, schreibe einen Lehrplan und eine to-do Liste, sitze in der 1. Reihe und stelle viele Fragen. Mittlerweile habe ich nämlich gelernt, es ist OK etwas nicht zu verstehen und nachzufragen. Ich darf den Professor nach der Vorlesung ansprechen und Fragen stellen. Ich DARF eine 2 bekommen. Vorallem werde ich mich nicht fertig Machen, wenn ich „nur“ 95% auf einen Test bekomme.

 

(Erinnert mich in 4 Wochen noch einmal daran, wenn ich die Krise habe).