Vom Unkraut jäten.

Seit wir umgezogen sind, ist mir der Garten ein Dorn im Auge. Unkraut, Unkraut, Unkraut. Kahle Flecken, verwachsene Bäume, Gestrüpp, und und und.

Und ich war/bin überfordert. Zum einem träume ich von einem wunderschönen Garten, mit vielen, vielen Blumen, Gemüse, Obstbäumen, Sträuchern, einer Leseecke, Hängematte, Hollywoodschaukel, Vogeltränke- eine Ruheoase.

Anderseits habe ich null Ahnung wie was wann wo. Zum einen, weil ich keine Ahnung habe was hier in dieser Klimazone wächst. Oder wie die Sonne im Garten fällt. Oder überhaupt.

Gut, die Sonne habe ich jetzt beobachtet und ich lese viele North Carolina Garden Artikel. Als die Mama da war, ist sie mit mir durch den Garten gegangen und hat mir ein paar Anregungen gegeben. Und, oh, bin ich jetzt motiviert. Am Liebsten würde ich sofort los legen, Unkraut ausreißen, Blumen pflanzen, Sträucher kaufen, Rasen mähen… aber Halt. Es braucht Geduld. Und Zeit. Und Geduld. Und Zeit.

Also fange ich erst einmal am, Unkraut zu jäten. Dann fahre ich ins Gartengeschäft und lasse mich beraten, welche Bäume und Sträucher hier gut wachsen. Dann kommt vielleicht das Hochbeet dran. Danach werde ich ein paar Blumen pflanzen. Und Rasenmähen. Und Grassamen streuen. Und die frische Luft genießen. Und Töpfe kaufen und Blumenkisten fürs Fenster.

In mir kribbelt es richtig. Ich bin im vollen Tatendrang.

Aber erst muss ich Prüfung schreiben. Und bügeln.

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Heute is ein guter Tag.

Ich sitze im Café, eine Tasse dampfender Kaffee steht vor mir,  ein halb gegessenes Croissant liegt auf meinem Teller. Im Hintergrund spielt es französische Musik, die mich an den Film Chocolate erinnern. Stimmengeschwirr, es riecht nach frischem Gebäck.
Heute ist ein guter Tag. Obwohl ich es nicht ins Fitnessstudio geschafft habe (der innere Schweinehund, der fiese!).
Draußen ist es kalt, und nebelig, aber die Sonne blitzt durch. Die Bäume leuchten in orange, gelb, und rot.
Eben habe ich mich von meiner Freundin verabschiedet, mit der ich mich zum Frühstück getroffen habe. Ich habe noch eine Stunde bevor ich zur Arbeit muss. Ich lese A Gentleman in Moscow und verliere mich in den Worten. Seit langem bin ich so richtig motiviert. Heute wird gestaubsaugt und gemoppt. Und endlich Fotos ausgesucht und gedruckt, fürs Fotoalbum und zum verschicken. Und für das Haus, zum aufhängen. Seit 2 1/2 Monaten wohnen wir schon in UNSEREM HAUS(!!!) und nachwievor sind alle Wände kahl. Vielleicht beginne ich auch das Wohnzimmer fertig auszumalen.
Ja, heute ist ein guter Tag.

 

So.

Seit Wochen schleiche ich nun um den Computer herum, öffne immer wieder die Blogseite, schreibe einen Titel, schreibe ein paar Zeilen, überlege es mir doch wieder anders, lösche den Beitrag. Und dann liege ich nachts wach, weil es mir unter den Fingern brennt, rutsche im Gottesdienst ungeduldig hin und her, weil sich meine Gedanken und Ideen für einen Post überschlagen. Kaum sitze ich aber an meinem Schreibtisch, verwerfe ich die Idee wieder.

Ich habe Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenunterfunktion. So, there, I said it. Seit Anfang August muss ich nun regelmäβig zum Arzt, meine Blutwerte anschauen lassen, die einfach viel viel viel zu hoch sind, und meine Schilddrüse untersuchen lassen, die einfach viel viel viel zu groβ ist. Meistens geht es gut, manchmal habe ich Schübe, wo mein Hals ganz eng wird, ich heiser werde, ich keine Energie habe. Eine Möglichkeit, die jetzt angeschaut wird ist, Gluten wegzulassen. Yay, jetzt kann ich wieder an einem neuen hype teilnehmen, „I’ll get the cinnamon non fat soy latte with glutes on the side“ Die Gluten kann dann Daniel essen. Haha.  (Hat wer Erfahrung mit glutenfreier Ernährung?)

Gestern kamen unsere ersten Abendessgäste zu uns. Zu Essen gab es einen Braten mit Wurzelgemüse und zum Nachtisch Apfelkuchen. Weil, Herbst. Wir haben gelacht, gegessen, philosophiert, Babybauch gestreichelt, über Gott und die Welt geredet. Ich mag Gäste! Ich mag es, neue Leute kennenzulernen, zu bewirten, ihnen etwas Gutes tun! Und ich mag meine Freunde! (Und den Babybauch! Das Baby hat  sogar getreten!)

Letzte Woche haben wir auf einem Flohmarkt einen wunder-wunderschönen Esstisch mit passenden Sesseln gefunden Rot und retro und past perfekt in unser 60iger Jahre Haus. Endlich kein am Sofa/oder Fuβboden-essen mehr.

Eine Zeitlang hat mich das Lesen so gar nicht gefreut, dafür aber Hörbücher. Da habe ich meine Stadtbibliotheksmitgliedshaft aber ordentlich genutzt. Langsam erfreut mich das Lesen wieder mehr. Ich habe auch gelernt, ich muss nicht jedes einzelne Buch, das irgendwo erwähnt wird, lesen. Und es ist OK, wenn ich ein Buch nicht fertig lese, weil es einfach zu depressiv ist. Zur Zeit lese ich 2 Bücher, eines für meinen Buchclub (A Tree Grows in Brooklyn, Betty Smith) und eines für meine Seele: Chickensoup for the Woman’s Soul. Beim Autofahren höre ich zur Zeit wieder Norah Jones und daheim ebenso. Gemischt mit Regina Spektor. Auβerdem habe ich mir auch The Hiding Place (Corrie Ten Boom) und Beloved (Toni Morrison) ausgeborgt. Sonntag nachmittag schauen Daniel und ich gerade total gerne die Dick van Dyke Show.

Seit 2 Wochen treffe ich mich nun regelmäßig mit einer Gruppr von Frauen, um das Wort Gottes zu studieren. Wir lesen die Apostelgeschichte, und es macht so viel spaß, geschichtliche und kulturelle Fakten dazuzulernen!

Eine Zeitlang war ich was Kochen anbelangt sehr einfallslos. Spaghetti mit Tomatensauce, Henderl mit Reis, Gnocchi mit Tomatensauce, Henderl mit Sauce. Das soll sich jetzt aber ändern! Ich habe 2 neue Kochbücher auf dem Flohmarkt erstanden, mit lauter Südstaaten Soulfood Rezepten, die ich gerade am durchschmökern bin. Heute habe ich Weiβkohl gekauft, um Sauerkraut einzumachen.

Außerdem war ich gestern mit einer Freundin spazieren, wir haben Bockerln gesammelt und Grünzeug gerupft. In Vasen arrangiert, und fertig ist die Herbstdeko. Duftet nach Natur, war gratis und ist doch viel schöner anzuschauen, als dieser Plastikkram! Heute Morgen war ich im Bastelgeschäft und werde es wagen, einen Herbsttürkranz zu binden. Ui, ui! Ich jab so richtig Bock auf Herbst!

Apropos Herbst, eben hatte ich ein Vorstellungsgespräch! War mega nervös und kam overdressed an, mit schwarzer Hose und weißer Bluse und das bei 30 Grad! Aber, better overdressed than underdressed!

Heute abend schreib ich eine Matheprüfung, eigentlich sollte ich ja lernen… die letzte Prüfung war ein 1er, mein 1. Matheinser in…. 100 Jahren? Meine Mama, bless her heart, meinte dann gleich, ‚ja, aber jetzt darfst du auch lernen, dass eine 2 auch OK ist.‘ Ui. Na ich stell mich darauf ein.

So. Das wars.

Also, drückts mir die Daumem, für Prüfung, Job, und lasst mal hören, was ihr so von Gluten hält!

Chill deine Base.

Dass ich etwas perfektionistisch und kontrollfreakisch veranlagt bin, habe ich ja schon hier und da mal erwähnt. Oft erleichtert es mir das Leben- so muss ich zum Beispiel fast nie Schlüssel oder Brille suchen, da diese immer am selben Platz liegen. Auch muss ich (äuβerst) selten bis spät abends Hausübung auf den letzten Drucker machen. (Hätte mir das mal wer während meiner Gymnaisumzeit gesagt, das Leben wäre so viel einfacher gewesen!!! Halt. Stopp. Ich erinnere mich nun wieder an die täglichen Predigen meiner Eltern)

Während mein Leben (oft) einfacher ist, mache ich es anderen oft extrem schwer mit meinem Kontroll- und Ordnungswahn (der arme Mann, er will doch nur die Geschirrtücher wegräumen und bekommt von mir eine am Deckel, weil sie nicht farblich sortiert sind…).

Leider erschwere ich mir das Leben auch manchmal und stehe mir selbst im Weg mit meinen hohen Ansprüchen.

So wie die letzten paar Wochen. Wir sind dieses Wochenende umgezogen und das Haus musste absolut ausgemalt und absolut geputzt und absolut perfekt sein. Jeden Abend lag ich total k.o am Sofa, heulend, weil das Haus IMMER NOCH NICHT perfekt ist und mir die Zeit davonrennt. Ein Nervenanfall folgte dem anderen und als ich dann noch erfahren habe, dass der Elektriker NOCH einen Tag länger braucht als gedacht, habe ich meine (zu hohen und sehr unrealistischen) Ansprüche über Bord geworfen. Dann ist das Haus halt NICHT fertig ausgemalt, der Rasen gemäht, der Gemüsegarten gepflanzt, und die Esszimmermöbel kommen auch erst. In Wirklichkeit ist es doch egal, dass wir eine Woche lang am Boden essen und das Gästezimmer noch warten muss.

Und ich bin so viel entspannter. Ja, es stehen überall die Umzugskartone rum und es macht mich WAHNSINNIG, dass die eine Wand einen Fleck hat, der dringenst übermalt werden muss. Und ja, wir haben noch kein Internet und auch kein Warmwasser und das Gras muss dringenst geschnitten werden.

ABER. Chill einmal!

Apropo chillen. Geplant war, dass wir Samstags umziehen. Dann war der Lastenaufzug nicht verfügbar, die Möbelpacker mussten umgebucht werden, und die nächste Krise stand an, weil es (mal wieder) nicht nach meinem Plan ging.
ABER. So hatten wir einen Tag länger Zeit zum packen, konnten in Ruhe frühstücken und ins Ikea fahren, und abends noch auf das Baby meiner Freundin aufpassen.
Sonntag kamen die Möbelpacker  2 Stunden zu spät und der Schlosser kam statt um 12, erst um halb sechs am Abend. Und während ich in Gedanken schon den Beschwerdebrief verfasste, erinnerte mich Daniel daran, ruhig zu bleiben. Und im Endeffekt ist sich alles perfekt ausgegangen, den der Lastenaufzug war noch besetzt und wären die Möbelpacker pünktlich gewesen, hätten die auch nichts machen können und wir hätten sie fürs rumstehen bezahlt und der Schlosser wäre, wenn er püntklich gewesen wäre, vor verschlossener Türe gestanden.

Also, manchmal muss man echt nur chillen. Oder wie sagt man auf Instagram? #chillyourbase