Ein perfektes Herbstwochenende

Montagmorgen. Uff. Grau in Grau. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett verkriechen und literweise Tee trinken und lesen der stricken oder einfach nur die Wand anstarren. Gestern haben wir zum ersten Mal die Heizung aufgedreht und heute Nacht wurde ich wach, weil der Wind so durch die Bäume gepeitscht hat. Ich krieche aus dem Bett, nur ungern verlasse ich meine warme Höhle. Schlaftrunken koche ich dem Mann und mir eine Tasse Tee, schweigend sitzen wir am Tisch und essen unser Frühstück. Eine Prüfung steht heute an und ich muss zum Ikea. In Gedanken aber bin ich noch ganz woanders. In einer gemütlichen Hütte in den Bergen, umgeben von gelben, roten, orangen Laubbäumen, eingekuschelt in einer Decke vorm Kamin, Karten spielened mit Freunden.

Morgens standen alle im Pyjama in der Küche, eine Tasse Kaffee in der Hand, die Kürbispalatschinken in der Mache. Im Hintergrund lief Football im Fernsehen, der Speck brutzelte in der Pfanne und die ganze Hütte roch nach Herbst, Kaffee und Zimt. Die Zeit stand still dieses Wochenende, alles ging ganz langsam. Wir waren spazieren, Kaffee trinken, haben Karten gespielt, gegessen, Football angeschaut, gelesen, viel geschlafen und noch viel mehr gelacht.

Ja, Herbst, du bist so schön. Vorallem mit Freunden.

 

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Tuesdays with Lisa

Letzten Freitag kam zu Mittag der Anruf aus dem Labor: keine Glutenunverträglichkeit und die Schilddrüsenwerte sind so so so viel besser. Uffda. Was für eine Erleichterung. Erst mal Pizza mit extra Gluten bestellen. Naja, aufpassen muss ich trotzdem und beobachten, wann ich Kopfschmerzen, Sodbrennen, Halsweh und dieses Enge-Gefühl habe. War es nur Stress?

Jetzt ist es schon Mitte Oktober, Wahnsinn, oder? Und ich habe so richtig Bock auf Stricken, Tee trinken, Kürbis, Apfelkuchen, Abende vorm Kamin, dicke Schmöker, Wollsocken und Kerzen. Letzte Woche hatteb wir noch wir um die 20-25 Grad (sogar 30!), aber über Nacht sind die Temperaturen gefallen und jetzt ist der Herbst da und im Haus sieht es schon richtig gemütlich aus.

Am Wochenende sind wir dem Lagerkoller entflohen und sind nach Greenville, South Carolina gedüst [etwa 1 1/2 std entfernt]. Durch die Stadt bummeln, Kaffee trinken, im Park sitzen, weltbestes Eis schlecken, jede Menge Hochzeiten sehen… „kannst dich noch bei unserer Hochzeit erinnern…?“ „Du warst die schönste Braut“, flüstert mir der Mann zu. Ich werde rot und kichere wie eine 13jährige. Abends saßen wir in einem urigen Café und ich habe den ersten hot apple cider der Saison geschlürft. Wir reden über das Haus, meinen Mathekurs, unsere Bibelrunde, und wie glücklich wir sind, nach Charlotte gezogen zu sein. Und wie ich manchmal genauso wie mein Papa klinge. Vorallem wenn ich Autofahre. [Hallo Papa!].

Jetzt, wo die Abende auch länger und dunkler werden, habe ich auch wieder mehr Lust zum Lesen.

Auf meinem Nachttischt: liegen im Moment drei Bücher: Anna Karenina, A Gentleman in Moscow und Chickensoup for the Woman’s Soul.

Im Fernsehen: schaue ich gerade The Dick van Dyke Show. Das war ja wohl ein talentierter Mensch! Eine ’saubere‘ Show, ohne viel Drama, dafür umso mehr Humor.

Am Herd: bluppert Kürbissuppe, Lasagne, Lachs, Roast beef. Oh und Zimtschnecken.

Wieder entdeckt: habe ich die Farbe grün. Ich habe jahrelang kein Grün getragen, aber jetzt hole ich meine grünen Westen und Tshirts wieder raus! Ich habe auch begonnen, eine grüne Decke zu stricken.

Im Haus: stelle ich Kürbisse, Kerzen, und Schüsseln mit Bockerln auf. Und jede Menge Pflanzen. Ich bin zur Pflanzensammlerin konvertiert: Je ausgefallener die Pflanze, desto besser! Sukkulenten, Air plants, Kakteen und Grünlilien.

So.

Seit Wochen schleiche ich nun um den Computer herum, öffne immer wieder die Blogseite, schreibe einen Titel, schreibe ein paar Zeilen, überlege es mir doch wieder anders, lösche den Beitrag. Und dann liege ich nachts wach, weil es mir unter den Fingern brennt, rutsche im Gottesdienst ungeduldig hin und her, weil sich meine Gedanken und Ideen für einen Post überschlagen. Kaum sitze ich aber an meinem Schreibtisch, verwerfe ich die Idee wieder.

Ich habe Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenunterfunktion. So, there, I said it. Seit Anfang August muss ich nun regelmäβig zum Arzt, meine Blutwerte anschauen lassen, die einfach viel viel viel zu hoch sind, und meine Schilddrüse untersuchen lassen, die einfach viel viel viel zu groβ ist. Meistens geht es gut, manchmal habe ich Schübe, wo mein Hals ganz eng wird, ich heiser werde, ich keine Energie habe. Eine Möglichkeit, die jetzt angeschaut wird ist, Gluten wegzulassen. Yay, jetzt kann ich wieder an einem neuen hype teilnehmen, „I’ll get the cinnamon non fat soy latte with glutes on the side“ Die Gluten kann dann Daniel essen. Haha.  (Hat wer Erfahrung mit glutenfreier Ernährung?)

Gestern kamen unsere ersten Abendessgäste zu uns. Zu Essen gab es einen Braten mit Wurzelgemüse und zum Nachtisch Apfelkuchen. Weil, Herbst. Wir haben gelacht, gegessen, philosophiert, Babybauch gestreichelt, über Gott und die Welt geredet. Ich mag Gäste! Ich mag es, neue Leute kennenzulernen, zu bewirten, ihnen etwas Gutes tun! Und ich mag meine Freunde! (Und den Babybauch! Das Baby hat  sogar getreten!)

Letzte Woche haben wir auf einem Flohmarkt einen wunder-wunderschönen Esstisch mit passenden Sesseln gefunden Rot und retro und past perfekt in unser 60iger Jahre Haus. Endlich kein am Sofa/oder Fuβboden-essen mehr.

Eine Zeitlang hat mich das Lesen so gar nicht gefreut, dafür aber Hörbücher. Da habe ich meine Stadtbibliotheksmitgliedshaft aber ordentlich genutzt. Langsam erfreut mich das Lesen wieder mehr. Ich habe auch gelernt, ich muss nicht jedes einzelne Buch, das irgendwo erwähnt wird, lesen. Und es ist OK, wenn ich ein Buch nicht fertig lese, weil es einfach zu depressiv ist. Zur Zeit lese ich 2 Bücher, eines für meinen Buchclub (A Tree Grows in Brooklyn, Betty Smith) und eines für meine Seele: Chickensoup for the Woman’s Soul. Beim Autofahren höre ich zur Zeit wieder Norah Jones und daheim ebenso. Gemischt mit Regina Spektor. Auβerdem habe ich mir auch The Hiding Place (Corrie Ten Boom) und Beloved (Toni Morrison) ausgeborgt. Sonntag nachmittag schauen Daniel und ich gerade total gerne die Dick van Dyke Show.

Seit 2 Wochen treffe ich mich nun regelmäßig mit einer Gruppr von Frauen, um das Wort Gottes zu studieren. Wir lesen die Apostelgeschichte, und es macht so viel spaß, geschichtliche und kulturelle Fakten dazuzulernen!

Eine Zeitlang war ich was Kochen anbelangt sehr einfallslos. Spaghetti mit Tomatensauce, Henderl mit Reis, Gnocchi mit Tomatensauce, Henderl mit Sauce. Das soll sich jetzt aber ändern! Ich habe 2 neue Kochbücher auf dem Flohmarkt erstanden, mit lauter Südstaaten Soulfood Rezepten, die ich gerade am durchschmökern bin. Heute habe ich Weiβkohl gekauft, um Sauerkraut einzumachen.

Außerdem war ich gestern mit einer Freundin spazieren, wir haben Bockerln gesammelt und Grünzeug gerupft. In Vasen arrangiert, und fertig ist die Herbstdeko. Duftet nach Natur, war gratis und ist doch viel schöner anzuschauen, als dieser Plastikkram! Heute Morgen war ich im Bastelgeschäft und werde es wagen, einen Herbsttürkranz zu binden. Ui, ui! Ich jab so richtig Bock auf Herbst!

Apropos Herbst, eben hatte ich ein Vorstellungsgespräch! War mega nervös und kam overdressed an, mit schwarzer Hose und weißer Bluse und das bei 30 Grad! Aber, better overdressed than underdressed!

Heute abend schreib ich eine Matheprüfung, eigentlich sollte ich ja lernen… die letzte Prüfung war ein 1er, mein 1. Matheinser in…. 100 Jahren? Meine Mama, bless her heart, meinte dann gleich, ‚ja, aber jetzt darfst du auch lernen, dass eine 2 auch OK ist.‘ Ui. Na ich stell mich darauf ein.

So. Das wars.

Also, drückts mir die Daumem, für Prüfung, Job, und lasst mal hören, was ihr so von Gluten hält!

Ich hab’s überlebt.

Der erste Schultag ist überstanden und wie ihr seht, lebe ich noch.

Ich war so nervös, dass ich eine Stunde zu früh auf der Uni war, aber so konnte ich zumindest einige administrative Dinge erledigen- Studentenausweis abholen, Parkausweis holen, Bücher besorgen und mir weitere Horrorszenarien ausmalen. Wie zum Beispiel, dass ich im falschen Saal sitze. Oder meinen Kulli vergesse, und nicht mitschreiben kann. Oder, noch schlimmer, eine Antwort nicht weiß. Oder, ganz furchtbar, das falsche Buch gekauft habe.

Was ich auch getan habe (also das falsche Buch gekauft). Und ich lebe noch. Und eine Antwort wusste ich auch nicht, ich habe mich sogar einmal verrechnet. Und im Stau stand ich auch, als ich zu meine Abendkurs fuhr. Und so kam ich erste 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn an, als 15, wie erhofft.

Ihr könnt es euch schon denken, ich bin ein sehr ängstlicher, nervöser Mensch, mache mir dauernd Sorgen und male mir worst-case-Szenarien aus.

Seit wann das so ist, kann ich nicht sagen.

Heute habe ich mich mit einem Studienberater einer anderen Universität getroffen, um über meine weiterführende Ausbildung zu reden. Welche Möglichkeiten gibt es? Was habe ich geschwitzt, als ich zum ersten mal auf die Website der Uni ging, und bisschen recheriert habe, dreimal habe ich die Email begonnen und wieder gelöscht. Und dann endlich abgeschickt. Ich auf einer so großen Uni? Das schaff ich nicht. Da verlauf ich mich. Dem Druck bin ich nicht gewachsen. Was, wenn…

Und es sind gleich 2 worst-case Szenarien eingetroffen: ich habe mich verfahren und war im falschen Gebäude und bin dann völlig verschwitzt zu spät zu dem Termin gekommen. Um genau zu sein, 2 Minuten zu spät. Was aber eh wurscht war, weil es der falsche Tag war. Und soll ich was sagen? Ich habe es überlebt, wir haben drüber gelacht und dann geplaudert, ich habe Fragen gestellt, viele Notizen gemacht und bin dann nach Hause gehüpft vor Freude. Ob ich mich bewerbe? Ich weiß es noch nicht, ich muss noch etwas mehr recherchieren. Aber es war zumindest ein Anfang und mir wurde bewusst, auch worst-case-szenarien sind überlebbar.

Diesen Sommer…

  • Werde ich viel lesen. The House of Mirth. Wuthering Heights. The Glass Castle. James Bond. H wie Habicht. The Great Gatsby (mal wieder).
  • Werde ich mich mit meinem Buchclub treffen und unsere Sommerlektüre besprechen. Und Kaffee trinken.
  • Und mit Freundinnen am Pool Margaritas trinken.
  • Werde ich viel Eis essen. Oder auch nicht.
  • Und viel Naturjoghurt mit frischen Beeren und Knuspermüsli.
  • Habe ich vor, möglichst oft auf den Bauernmarkt zu gehen.
  • Möchte ich mehr mit Natursachen experimientieren, Körperpeeling selber herstellen, zum Beispiel.
  • werde ich viiiiel Eiskaffee und selbstgemachte Limonade trinken. Immer nur her mit der Zitrone und dem Sprudelwasser!
  • werde ich auch jede Menge Hugo trinken. Ich liebe Minze und Hollunder.
  • werde ich viel schwimmen gehen. Das Schwimmbecken im Gebäude muss man ja ausnutzen.
  • Werde ich mich brav mit Sonnencreme einschmieren.
  • werde ich sooft es geht zum Morgenyoga gehen.
  • werde ich mich regelmäßig mit 3 Freundinnen zum Gebet treffen.
  • werde ich ganz viel Babyduft schnuppern. Zwei Freundinnen haben Babies bekommen!
  • werde ich ab und zu nach Richmond fahren.
  • werden wir wandern gehen und zelten.
  • lerne ich (hoffentlich) ENDLICH Grandpa kennen.
  • werden wir auf Urlaub fahren und neue Städte erkunden.
  • werden wir unsere Stadt mit dem Fahrrad erkunden.
  • wird es viel Erdbeermelonensalat geben.
  • und Grillabende mit Freunden.
  • Und jede Menge Kukuruz. Ich liebe Kukuruz.
  • werde ich mich auf das nächste Semester vorbereiten und Mathe lernen.
  • Möchte ich knallige Nagellacke tragen. ROT. ROSA. KORALLE.
  • Beginne ich (hoffentlich) meine neue Arbeit.
  • werde ich ins Museum gehen und mir die volle Dosis Kunst geben.
  • und mit der Hängematte im Park hängen und lesen.
  • wird es Bootsausflüge geben.
  • Gebe ich nicht auf, auch wenn mein Brot nicht gelingt. Ich werde weiterbacken!
  • werden wir oft ins Freiluftkino gehen und zu Freiluftkonzerten im Park (die hoffentlich gratis sind)
  • werden wir uns zum Volleyballspielen im Park treffen.
  • Werde ich viel Barfuß gehen. Oder maximal in Schlapfen. Hauptsache sockenlos!
  • werde ich mir NICHT die Haare färben oder abschneiden, auch wenn mich die Länge gerade furchtbar nervt. Bloggerdutt is the answer!
  • feiere ich Geburtstag. Und der Mann auch. (und unseren 1. [österreichischen] Hochzeitstag!! (Den „Richtigen“ hatten wir ja schon im Februar).
  • werde ich (ENDLICH) meine (externe) Festplatte organisieren und Fotos drucken und mein 2016 Fotoalbum kleben. Und unser Hochzeitsfotoalbum.
  • werde ich versuchen, wieder öfters Briefe zu schreiben.
  • werde ich genießen, faulenzen, schwitzen, die Hitze verfluchen, die Klimaanlage zu kalt aufdrehen, im Park sitzen, lachen, Fotos machen, LEBEN.

 

Jesus loves you guys!

Wir haben hier in der Stadt einen Mann, nennen wir ihn einfach mal John (seinen richtigen Namen kenne ich [noch] nicht, da ich [leider] noch nicht mit ihm geredet habe).

Was das besondere an John ist?

Er liebt Jesus. Und er verkündet es jeden.

Egal ob Sonnenschein oder Regen, bei Wind und Wetter, am Montag morgen genauso wie Freitags Nachmittag, geht (und manchmal radlt) John durch die Stadt und verkündigt die [meiner Meinung nach] drei schönsten und wichtigsten Sätze: Jesus died for you. He saves. He loves you guys.

Anfangs habe ich einen großen Bogen um ihm gemacht. Ich war peinlich berührt. Man steht ja nicht einfach rum und schreit herum (außer man heißt Lisa und erfährt von einer Verlobung oder Schwangerschaft oder jemand schreit „Hai!“ beim Schwimmen. Dann ist schreien OK).

Ich dachte mir, John ist wieder nur ein Verrückter. Und dann war mir dieser Gedanke peinlich. Das haben die Leute doch sicher auch über Noah, Johannes dem Täufer und JESUS und seinen Jüngern gedacht.

Immerhin fordert die Bibel uns auf, die frohe Nachricht zu verkünden, und wie heißt es so schön in dem Lied: „go, tell it on the mountain, over the hills and everyway. Go tell it on the Mountain that Jesus Christ is born“ (ok ist ein Weihnachtslied, aber die Grundidee ist, dass wir in alle Welt gehen sollen und das Evangelium verkünden sollen [Markus 16:15])

Und genau das tut John. Er ruft es hinaus, manchmal sprechen ihn Leute an, dann erzählt er ihnen von der Bibel, manchmal betet er mit ihnen und für sie.

Ich finde das toll. (Und bewundere seine Ausdauer. Ich wäre nach einer Stunde schon heiser).

Also.

JESUS SAVES. HE DIED FOR YOU AND HE LOVES YOU GUYS.

 

Montag Morgen

Heute fühlt sich wie Montag an. Das liegt wohl daran, dass gestern Memorial Day war und wir frei hatten. (Und stellt euch vor, ich bin zu keinem Cook Out gegangen, zu keinem Baseballspiel, hatte keine patriotischen Farben an, ich lag den ganzen Tag im Bett bzw. am Sofa, hab gelesen, Kaffee getrunken und Marillenknödl gegessen. Ur untypisch Amistyle).

So gerne ich verlängerte Wochenenden habe und es genieße, wenn Daniel einen Tag frei hat und wir nichts am Programm stehen haben (wir müssen beide nicht lernen!), so schwer fällt es mir am ersten „richtigen“ Tag wieder in die Gänge zu kommen. Ich brauche ewig, um aufzustehen, um fertig zu werden, um irgendwas produktives zu schaffen.

Heute habe ich mich also nach dem Morgenkaffee mit Daniel noch einmal ins Bett gelegt, aber schnell festgestellt, so geht das nicht. Ich habe viel zu viel zu tun und kann nicht den ganzen Tag im Bett rumknozen, bin ja keine 16 mehr.

Also aufstehen, eiskalt duschen, anziehen, zur Uni fahren, ewig disskutieren, vom 1. Stockwerk zum 3. rennen, nur um ins 2. Stockwerk geschickt zu werden… ein paar Tränen verdrücken, rumjammern, tausend mal erklären, was mein Problem ist, endlich die richtige Info zu bekommen, und wieder heim.

Eiskaffee (ich koche mir morgens eine rießen Kanne, trinke ein, zwei Tassen mit Daniel und stelle den Rest in den Eiskasten. Später kommen Eiswürfel dazu und Kondensmilch. mmmmmmmm) in der Hand an den Computer. Anmelden für Unikurse (und natürlich gibt es jetzt keine Plätze mehr und ich muss jetzt einen Abendkurs machen. naja. soll schlimmeres geben).

Und schon fühle ich mich produktiv. Jetzt ist erst mal der Wäscheberg dran. Und ich schau mir einen Tatort an, während ich bügle und Socken zusammenlege (bin ich eigentlich die einzige, bei der die Waschmaschine Socken verschluckt?)

So schlimm sind Montag-, Dienstage ja eh nicht.

Jetzt trinke ich noch eine Tasse Kaffee, lese etwas (im Moment: Uncle Tom’s Cabin) und gehe nachher noch zu meinem Cycling Class.

Abends wird es Reste von unsrem gestrigen Abendessen geben: Shrimp Boil. Mit frischem Kukuruz und neuen Erdäpfel. Ein Traum.

Morgen fällt es dann hoffentlich leichter, aufzustehen.

 

Erfolgserlebnisse und Dankbarkeit im Alltag.

Mittlerweile wohnen wir vier Monaten in Charlotte. Und oh, so laaaangsam fühlt es sich wie zuhause an. „Daheim“, also „Heimat“ ist es noch nicht, aber es wir werden vertrauter mit der Umgebung, der Stadt, den Leuten, langsam erkennen wir, wie die Stadt tickt, wie die Leute drauf sind (oh, es sind so viele Unterschiede zu Richmond!).

Ich muss zugeben, Anfangs fiel es mir echt schwer. Ich habe tagelang geheult, bin in Mitleid versunken, war nur am Jammern, wollte nur nach Hause- zurück ins vertraute Richmond, zurück in unsere kleine feine Wohnung, in mein vertrautes Café, ich wollte meine Freunde, meine Kirche, meine Uni.

Wochenlang ging es so, nur Geheule und Gejammere, Angstzustände, ich wollte nicht alleine sein, wollte die Wohnung nicht verlassen, wollte aber auch keine Menschen treffen.

Und dann kam der Frühling, die Tage wurden länger und wärmer. aber das Heimweh ist geblieben. Nur kam nun noch schlechtes Gewissen hinzu, weil ich die Wohnung nicht verlassen wollte.

Heulend hang ich am Telefon mit einer Freundin, die mich fragte: „na, wie gefällt es dir in Charlotte?“ vor lauter Schluchzen konnte ich kaum Sprechen. Sie meinte dann, „erzähl mir mal, was dir an Charlotte gefällt“.

Hmm. ich liebe unser Fitnessstudio und meine Yogalehrerin. Der Pool ist auch super (außer wenn die Nachbarn Bier reinschütten). Es gibt ganz nette Parks hier. Die Kirche ist super und unser Hauskreis ist eine echte Gebetserhorung. Wir wohnen nun 15 Minuten von Ikea entfernt (statt 2 1/2 plus Washington DC Verkehr). Es gibt viele Berge um uns. Es gibt echt süße Kaffeehäuser hier. Wir haben eine BADEWANNE!!!

Und auf einmal merkte ich, wie sich etwas in mir änderte. Langsam begann ich, Charlotte OK zu finden (hey, Okay ist besser als Sch.).

Die letzten Monate waren hart, aber ich durfte viel lernen. Zum Beispiel, dass viel mit der richtigen Einstellung zu tun hat. Und dass ich manchmal aus meiner Komfortzone heraus muss. Und dass es so viele Dinge gibt, für die ich dankbar sein kann und will. Klar, ich vermisse meine Freunde immer noch, genauso wie vertraute Umgebung. Ich plage mich mit der neuen Uni und mit den Angestellten (die es nach wie vor nicht schaffen, mir eine Auskunft zu geben). Parken ist dumm und es ist wahnsinnig laut.

Aber.

ich (wir) finden zum Geschäft, zur Kirche, zu Freunden ohne Navi.
unser Papierkram ist endlich, endlich erledigt, und wir sind offiziell umgezogen.
ich habe mich für meine Unikurse im Herbst angemeldet
gestern hatte ich einen Mathe-Einstufungstest und habe alles bestanden.
mein Buchklub trifft sich in 2 Wochen zum ersten Mal!
ich habe ein Mädchen kennen gelernt, mit der ich regelmäßig Gebärdensprache üben kann.
ich traue mich, Leute anzusprechen und habe schon einige gute Freundinnen kennengelernt. Und sogar zwei Mädchen mit denen ich mich regelmäßig zum Gebet treffe.
Daniel und ich fühlen uns super wohl in der Kirche.
Gestern beim Yoga habe ich es zum ersten Mal in eine Brücke geschafft und 5 Sekunden ausgehalten, 5km lauf ich mittlerweile auch!
die letzten Wochen haben ganz toll nach Sonnencreme und Erdbeeren gerochen.
Gegenüber von unserer Wohnung gibt es ein Skandinavisches Pub, wo es den besten Preiselbeerdrink gibt!
Gestern war ich Prüfungsaufsicht bei einer Prüfung- eine Raum voller 14 Jähriger, die mich angestarrt haben. Bis dann ein Mädchen gefragt hat: „Wie groß bist du?“ „Ist es unhöflich zu fragen ob du einen Aktzent hast?“ und beim Hinausgehen meinte ein Schüler, Miss Lisa, danke dass du heute da warst. Bitte komm bald wieder“ Ach, mein Herz schmilzt.

Sudern kann jeder. Aber ich will meine Zeit nicht damit verschwenden. Lieber mit Eiskaffee und Freunden!

In diesem Sinne.

Suderfreies Wochenende!

 

Sonnenbaden mit 14 vs. Sonnenbaden heute.

Gestern habe ich es getan. Ich habe mich an den Pool gewagt. Wir haben im Gebäude einen Pool und da es gestern sage und schreibe 30 Grad hatte (und es wird noch heißer!), habe ich mein Badetuch, mein Buch, meine Wasserflasche und mein Kapperl gepackt, und habe mich auf die Liege geschmissen.

Nur um 5 Minuten später furchtbar verschwitzt und unendlich genervt wieder zu gehen. (Okay, ich habe es ganze 45 Minuten ausgehalten!)

Ich bin nun mal keine Poolliegerin/Sonnenanbeterin. Ich liiiebe Wasser, gehe unglaublich gerne schwimmen, an den See und an den Fluss. Aber Pool? Nein Danke.

Es war laut (unsere lieben Collegestudenten haben ihren Ghettoblaster dabei und fleißig ein Bier nach dem anderen gezischt, während die Boxen gedröhnt haben und verzweifelt angebaggert wurde- ich habe mit einem sehr finsteren Blick sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass bei mir umsonst gebaggert wird!

Als ich da so vor mich hinschwitze und im 10 Minuten Takt Sonnencreme mit LSF 70 geschmiert habe, dachte ich mir, wie sehr sich mein Sonnenbadenverhalten doch geändert hat in den letzten 10 Jahren (oder so).

War es früher möglichst knapper Bikini (man will ja möglichst gebräunt sein), möglichst wenig Sonnencreme, und wenn, dann mit höchstens 20 LSF, ist es heute LSF 70, im Schatten und was den Bikini angeht: Badeanzug bitteschön. Und Kapperl.

Klar will ich etwas Bräune bekommen und nicht so leichenblass rumrennen wie sonst immer, aber mir ist inzwischen wichtiger, dass meine Haut geschützt ist und ich keinen Hitzeschlag bekomme. Außerdem langweile ich mich furchtbar am Pool, egal wie spannend das Buch ist, nach spätestens 1 Stunde ist mir fad und ich muss etwas anderes machen.

Also lieber rein in die Klimaanlage:-)

Mittlerweile bin ich voll die Sonnenschutzpredigerin geworden, immer Sonnencreme dabei, immer brav einschmieren!

Also, habts es fein, genießt die Sonne und trinkt brav Wasser. (und BITTE BITTE schüttet kein Bier in den Pool. Ich weiß, ich weiß, ich bin die genervte Nachbarin, die wegen jedem Sch. sich beschweren geht, aber, Bier im Pool brauch ich nicht^^ ich verstehe ja, school’s out for summer und ich freue mich ja, aber dennoch).

Lieber Eis als am Pool schwitzen. Wobei, das Buch ist schon sehr gut…

Grandfather Mountain. Churchretreat. Richmond. Charlotte.


Jetzt ist die Zeit aber verflogen, seit meinem letzten Post. Whoopsie. War ja auch einiges los hier! Zum einem habe ich mein Semester beendet, yay, zum andren hatten wir so einige Wochenendausflüge gemacht, und dann kam halt das übliche Leben dazwischen.

Hier ein kleiner Rückblick:

Daniel und ich waren (mal wieder) wandern. Grandfather Mountain stand diesmal auf unserer Liste. Leider regnete und stürmte es und so verbrachten wir mehr Zeit im Dorf in einem urigen Lokal, und anschließend noch einige Stunden im Nationalpark. Zum Wandern sind wir leider nicht gekommen, aber wir haben die Aussicht genossen, und ich habe es sogar über die „Mile High Swinging Bridge“ getraut! Hier im Park wurde übrigens eine Szene aus Forrest Gump gedreht, natürlich musste ich ein Foto machen!
Daniel und ich haben das Wandern für uns entdeckt, und wollen uns nun mit „Gear“ ausrüsten. Habt ihr Empfehlungen für gute Wanderschuhe und Campingausrüstung? Wir wollen so ein pop up tent kaufen?!

Ende April sind wir auf eine Kirchenfreizeit gefahren. Wir hatten eine echt tolle Zeit, mit guten Vorträgen, guten Gesprächen, Wandern, Eisessen, Spiele spielen und neue Bekanntschaften schließen. Obwohl wir erst seit knapp drei Monaten in der Kirche sind, fühlen wir uns schon richtig wohl und sehr herzlich aufgenommen. Die richtige Gemeinde zu finden, war ein großes Gebetsanliegen für uns vorm Umzug, welches auch sofort erhört wurde! Da ich während des Wochenendes meistens das Handy abgeschaltet hatte, gibt es nur ein paar Schnappsschüsse. Gewonnen habe ich auch zwei mal- einmal beim Zuckerl raten (es waren 750, ich hab 937 geraten), und einmal, weil ich am Weitesten entfernt von Charlotte aufgewachsen bin!

Mitte April hatte ich auch eine Zahnfleisch OP, glücklicherweise hatte ich kaum Schmerzen, aber es war extremst unangenehm und für eine Woche lang musste ich eine Schutzspange tragen- sabbern und lispeln inklusive. Natürlich bekam ich auch noch Halsweh dazu, und so lag ich 3 Tage lang mit Icepack an der Backe und einer ordentlichen Portion Selbstmitleit im Bett. Ein Hoch auf Netflix, zdf.de und einen Ehemann der Milkshakes und Suppe heimbringt. Mehr konnte ich nämlich nicht essen!

Seit einigen Wochen passe ich nun auf einen 16 Monate alten blonden Engel auf, was ich sehr genieße, wir spielen viel draußen und ich finde es immer wieder faszinierend wie viel und schnell so kleine Butzerln lernen! Jeden Tag gehen wir spazieren, finden Käfer, Ameisen, Dreck und Steine. Mittlerweile sagt er schon Sätze wie „Where go?“ „No know“ und „pala“ wenn er fällt (Hoppala… muss ja Deutsch lernen der Bub!). Außerdem finde ich ganz of vierblättrige Klees!

Leider hat sich auch herausgestellt, dass mein Uni-Wechsel komplizierter ist, als ich dachte, und ich quasi 1 Jahr länger brauche, weil mir Kurse (doch) nicht angerechnet werden. Noch dazu kommt, dass ich mich nicht rechtzeitig informiert habe, und so einen Kurs leider erst nächstes Jahr machen kann. Viel Frustration und Tränen und  Enttäuschung (warum können Studienberater einfach nicht die richtige Antwort geben!!!).  Und automatisch suche ich einen Schuldigen. Die Susi vom Schalter, die nicht abhebt. Der Franz von der Uni, der auf keine Email antwortet. Auch hier darf ich lernen, Gott zu vertrauen. Geht halt nicht immer nach meinem Kopf.

Letztes Wochenende waren wir dann noch in Richmond, weil Graduation war, und meine Schwägerin und zwei Freunde von uns ihren Master bzw Bachelor bekommen haben. Es war sehr regnerisch und kalt, aber wir haben es genossen. Und wir haben herausgefunden, dass wir noch eine Gutschrift für eine Massage hatten, so wurde ich am Sonntag verwöhnt! In meinem Liebelingscafe waren wir auch und haben lange gelesen und Kaffee getrunken. Wir haben nämlich nun begonnen, James Bond zu lesen- ich bin gefesselt! SO so so gut! Im Park, in dem wir uns kennen gelernt haben, gab es einen Kunstmarkt, bei dem wir auch waren. Leider hatten wir nicht das nötige Kleingeld dabei, um uns ein wunderschönes Gemälde vom Park zu kaufen, aber ein Eis ging sich aus!

Dieses Wochenende ist das erste seit sechs Wochen, welches wir daheim sein werden (seht ihr, ich habe „daheim“ gesagt! Langsam aber sicher fühlt es sich mehr danach an!). Wir freuen uns sehr darauf, keine Pflichttermine zu haben! Bis Mittag im Pajama sein, lesen,  Bücherregal ordnen, Brot backen… ach, Wochenende.

Und sonst so? Einen Buchclub habe ich ins Leben gerufen, und ich freue mich sehr, bin aber auch sehr aufgeregt, neue Leute kennen zu lernen! Wenn ihr „Summer reads“ Empfehlungen habt, nur her damit!!!
Auf meiner akutellen Bücherwunschleseliste stehen:
The Adventures of Tom Sawyer/The Adventures of Huckleberry Finn
The Scarlet Letter
Uncle Tom’s Cabin
The Picture of Dorian Gray
The Count of Monte Cristo
The House of Mirth
A Gentleman in Moscow
Hannah Coulter

 

Habts es fein!