19. April

Samstag, 19. April 2014 wird immer ein besonderer Tag für mich sein. Es war der Tag, der mein Leben veränderte, wenn auch anfangs unbemerkt. Es war der Tag, an dem ich Daniel kennen gerlernt habe.

Es begann eigentlich am 18. April 2014. Eine Freundin aus der Kirche fragte mich, ob ich Lust hätte mit ihr und zwei ihrer Freunde ins Kino gehen wollte. Es war Karfreitag und eigentlich wollte ich daheim bleiben, Kino am Karfreitag? In der Fastenzeit? Nein, danke. Ich ging aber dann doch. Wenn ich etwas während meiner Austauschschüler- und Aupairzeiten gelernt hatte, dann das: wenn du neu in einer Stadt bist und dich jemand fragt, ob du etwas unternehmen möchtest, sage ja. Also ging ich. Der Film war doof, das Essen war OK, und ihre zwei Freunde waren ganz lustig.

Ich war müde und wollte heim. Es ging also zu meiner Freundin, wir hatten noch eine girl’s slumber party, beteten und gingen schlafen. Am nächsten Tag, Karsamstag, wollten wir zu einem Picknick, von mehreren Kirchen organisiert.

Was ich nicht wusste: einer der zwei Freunde rief noch am Heimweg seinen besten Freund an, um ihm zu zu überreden, zum Picknick zu kommen, er hätte soeben ein Mädchen aus den Niederlanden kennen gelernt, er müsse sie unbedingt treffen. Der beste Freund war Daniel, das Mädchen aus den Niederlanden war ich.

Am nächsten Tag ging es zum Picknick. Ich weiß noch genau, wie unzufrieden ich mit meinen Haaren war und mit meinem Outfit. Ich hatte ein rosa Shirt an (und damals trug ich absolut gar kein Rosa). Im Park kam ich mir total fehl am Platz vor, ich kannte niemanden und kam mir so blöd vor, weil ich mich an meine Freundin klammerte. Irgendwann kam dann so ein Typ daher, der irgendwas von cookie cakes faselte und bla bla bla. Ich wollte doch nur heim. Als der Typ dann aber fragte woher ich kam, und ich Österreich und Schweden antwortete, und er erzählte seine Mama hat in Schweden gelebt, began die Unterhaltung leichter zu werden. Wir haben geplaudert, und irgendwann hat er dann gefragt, wie es mir hier so gefällt und ob wir uns mal treffen wollen. Also wurden Telefonnummern getauscht und wir haben uns verabschiedet.

Am Heimweg hat er seinem Mitbewohner erzählt: „Das Mädchen, das ich soeben getroffen habe? Die werd ich mal heiraten“.

Er sollte recht behalten.

Und der 19. April wird jetzt jedes Jahr gefeiert.

(Im Park, wo wir uns kennen gelernt haben, hat er auch bei meinem Papa um meine Hand angehalten, und hatte auch geplant, mir den Heiratantrag zu machen. Der Plan wurde dann aber kurz fristig geändert, und er hat woanders gefragt)

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Blumenstrauß aus angespitzten Bleistiften

Dieses Zitat stammt aus einem meiner Lieblingsfilme- ‚You’ve got Mail‘

Und mir geht es genauso wie Kathleen und Joe- ich liebe den Herbst. Der Herbst hat etwas an Neuanfang an sich- liegt vielleicht daran, dass die Schule wieder beginnt oder ein neues Semester startet. Ich liebe diese Jahreszeit, wenn der Sommer sich langsam dem Ende zuneigt, die Tage kürzer werden und die Abende früher beginnen, es morgens etwas frischer wird und sich Nebelschwaden bilden. Ach, Herbst, du schöne Jahreszeit.

Ich muss zugeben, ich bin absolut kein Sommermensch. Klar finde ich frieren und Schneematsch scheußlich und freue mich, nach einem langen Winter endlich wieder die Sonnenbrille und kurze Röcke rauszukramen, ans Meer/Pool/Teich/Fluss zu fahren und abends einen weißen Spritzer am Balkon zu trinken – vorallem bedeutet Sommer hier eines: Familienbesuch in Ösi steht an! Ja, Sommer hat schon was feines an sich.

Aber. Ich verabscheue Hitze. Und die haben wir hier. Vielleicht bin ich auch in ein falsches Land gezogen. Immerhin ist es hier von April bis Oktober heiß. Und wenn ich ‚heiß‘ schreibe, meine ich 35 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. Im August ist es am schlimmsten. Da kriechen die Temperaturen schon mal über 40 Grad. Kälter als 28 Grad war es das letzte Mal im April. (Und seit einigen Tagen funktioniert die Klimaanlage nicht… uff. Ich hab dem Mann schon öfters vorgeschlagen, eher in den Norden zu ziehen. Minnesota oder Maine, Vermont, Schweden… irgendwohin wo es nicht dauernd heiß und schwül ist.)

Für mich war Schulanfang immer Herbstanfang. Nur hier beginnt die Schule Mitte August, also nicht wirklich herbstlich. Trotzdem ziehe ich seit Tagen nur noch lange Hosen an, bin furchtbar grantig weil mir dann logischerweise heiß wird. Oh, meine Herbstgarderobe: Schals, Tücher, dicke Wollsocken, bunte Strumpfhosen…

Neulich habe ich mich dabei erwischt, einen Weihnachtsfilm anschauen zu wollen. Ab wann ist es denn OK? Ab Ende August? Und meine todo liste für den Herbst habe ich auch schon: Friendsgiving, wandern, Kürbisschnitzen, Vogelfutter machen, eine Kostümparty, heim fliegen (hoffentlich!)

Buntes Laub, Kürbissuppe (und meine neueste Sucht: pumpkinbutter) Apfelkuchen, Tee, dicke Schmöcker eingekuschelt lesen… ach, Herbst, ich freu mich auf dich!

Und bis dahin schnuppere ich noch etwas Sommer. Letztes Wochenende waren wir mir Freunden wandern. Und wir haben zwei Bären gesehen! Den ersten am Straßenrand, als wir noch im Auto waren, etwa 5 Meter entfernt, den zweiten dann beim Wandern etwa 100 Meter entfernt… das war schon was!

Und dieses Wochenende waren wir mit Freunden campen. In einem alten Jagdhaus haben wir geschlafen, ohne fließendem Wasser, aber mit Plumpsklo, Lagerfeuer und Wasser aus dem Brunnen pumpen. Gebadet wurde in einem kleinen Wasseerfall, das Wasser war so eisig kalt! Zum ersten Mal war es in der Früh und am Abend so frisch, dass wir einen Pulli und lange Hose anziehen mussten! Wir waren wandern, auf einem richtig anstrengenden Wanderweg, mit steiler Felswand zum klettern, durch Felswände kriechen (inklusiver Schwindelanfall). Als wir dann endlich an der Spitze ankamen, konnten wir die atemberaubende Aussicht genießen. Ach, Virginia, du bist so schön. Abends saßen wir dann alle am Lagerfeuer, haben Marshmellows geröstet und irgendwann wurde dann die Gitarre und das Banjo ausgepackt und Lieder gesungen. (Handy habe ich übrigens daheim gelassen. Darum gibt es leider keine Fotos.)

Jetzt sitze ich wieder daheim vor meinem Computer, meine Lernsachen neben mir, und schwelge noch etwas in Erinnerung.

Noch zwei Wochen, dann packe ich meine Herbstsachen aus. Ohja, ich freu mich. Und bin gleichzeitig etwas wehmütig, weil dieser Sommer doch so schön war.