Sweet Home Alabama. [Joni and friends family retreat]

This July I had the incredible opportunity to serve as a short term missionary [STM] at a Joni and Friends family retreat for families with children with disabilities in Alabama, where I interpreted for volunteers and camper who are Deaf.

It was both the most awesome and terrifying thing I have ever done in my life (well, besides moving to the US).

While I knew it was going to be challenging (I have never interpreted before, I am only in my third year of learnin American Sign Language, and I had to drive by myself for 10 hours), however, never in my wildest dreams did I think it was going to be this humbling, intimidating, [heart] breaking, healing, and eye opening.

This week broke me. And by ‚broke me‘ I mean, ugly crying, realizing how vulnerable I am [and I am always trying to come across as a strong, flaw less woman], how broken this world is, how little interpreting is about me, how interpreting is about being a communication channel, and how much I need God to bring me through the day. And that other people need me more than I need to dwell on my own emotions.

I went into this camp thinking, if I did a well enough job, maybe I’d get the affirmation I needed, or if I did great and everyone loved me, maybe I’d prove everybody wrong, if I…  very soon I realized, this was not about me. It was not about proving anyone anything, or getting the feedback/affirmation/reasurance I was seeking. It took me 30 seconds to be exact, to realize that I am here to serve people, to meet them and to serve as a communication tool.

As soon as I realized this, I felt a huge relief, as if a huge weight was lifted off of my shoulder. The time at camp was wonderful, yet heart breaking. I remember one morning taking a break from interpreting and one of the leaders asked me how I was doing, and my prepared response was „I am doing great  everything is great“ to which he replied: „really?“.  And then came the tears. I cried and cried and cried. My friend gave me  a big hug and said, „It’s OK to be broken, if we weren’t broken, we wouldn’t need Jesus. This camp will bring out all the ugly, broken pieces of our life. And you know what? It’s OK.“

And to be honest, I never felt more exposed and vulnerable than I did while interpreting infront of a big group.

Did I mess up? Yes, I did. Did I want to give up? Yes, I did. Did I feel like a failure? Yes, I did. Did I give up? No, I didn’t.

I met wonderful people at camp, we prayed together, we worshipped together, we cried together.

And while I had moments where I just wanted to hide under my blanket (which I also did), it was such a sweet and rewarding time.

Shout out to everyone who prayed for me, who supported me, and to the amazing people I met at camp, especially me friend who are Deaf and were so incredible patient with me.

Here is a link to a video of the camp, but prepare to cry. I still do.

ARISE and SHINE; for thy light is come, and the glory of the Lord is risen upon thee. (Isaiha 60:1)

 

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Nicht Perfekt. Aber dennoch gut.

Dass ich [etwas] perfektionistisch veranlagt bin, habe ich hin und wieder schon mal erwähnt. Meinen Kontrollzwang habe ich sicher auch mal erwähnt.

Vor einigen Wochen hatte ich rießen Drama, weil ich mich wohl oder übel damit abfinden muss, eine Zwei im Zeugnis zu haben. Uff, mein perfekter Notendurschnitt. Ich kämpfe immer noch damit. (Hey, im Gymnasium war eine 4- meine beste Note, und jetzt heule ich wegen einer Zwei!!!)

Über Thanksgiving waren wir in Richmond, und meine to-do Liste war meilenlang. Putzen, Wäsche waschen, Lernen, vorbereiten, ein Projekt beenden (muss zwar erst in einer Woche fertig sein, aber bissl extra Stress kann ja nie schaden, oder?), Kleidung aus der Putzerei holen, Weihnachtspost aussenden, Weihnachtsdeko aufstellen, Adventkalender fertig machen, Sauerkraut in Gläser umfüllen.

Und dann wurde ich krank. Und lag niesend, schnupfend, fröstelnd im Bett. Aber Wäsche habe ich trotzdem gewaschen. Und musste mich zwischendurch hinlegen, weil die 5 Treppen vom Waschraum ins Schlafzimmer zu anstrengend waren. Und was habe ich geheult. Weil, weißt eh, jetzt fahren wir weg, und ich habe das Haus nicht geputzt. Und die Weihnachtsdeko hängt nicht. Und jetzt geht die Welt unter, weil die Weihnachtspost drei Tage später ausgesendet wird (man beachte, letztes Jahr habe ich die Weihnachtspost ca 2 Wochen nach Weihnachten ausgesendet).

Und es ist OK. Dann dekoriere ich eben erst nächstes Wochenende. Dann reiche ich meine Abschlussarbeit halt mal genau am Abgebetag ab und nicht 3 Tage vorher. Mein Haus muss nicht immer blitz blank geputzt sein.

Sobald ich mich mal wieder zu sehr unter Druck setze (was so ziemlich jeden Tag geschieht), geht mein Körper in Streik. Halsweh, Kopfschmerzen, extreme Müdigkeit. Dann muss ich runter schrauben und lernen, 80% ist auch OK.

Es ist OK, eine Mittagspause einzulegen, mal ein Buch zu lesen. Ich muss lernen, auf meinen Körper zu hören.

Also nehme ich mir vor, täglich 20 Minuten an der frischen Luft zu sein. 3 Mal in der Woche laufen zu gehen. (oder eine andre Art von Sport. Yoga, zum Beispiel). Mittagspause einlegen. Lernen, nein zu sagen. (Ich muss nicht immer überall aushelfen)

Mal sehen wie es klappt. Diese Weihnachtszeit möchte ich stress frei erleben. Kein Lastminutepanikweihnachtsgeschenkshoppen. Kein von-Weihnachtsparty-zu-Weihnachtsparty-hüpfen. Ich nehm mir den Samstag vor und den Dienstag nach Weihnachten frei. Statt klimbim gibts Ruhe und Zeit gemeinsam. Tee trinken gehen mit einer Freundin statt gestresstes shopping center. Kerzen anzünden statt lautem Fernsehen. 2, 3 bewährte Keksrezepte statt Pinterest. Ruhe und Fokus auf den wahren Grund, warum wir feiern statt Konsumgeilheit.

Und aktzeptieren, dass nicht alles perfekt sein muss.

Aber das Wetter is momentan ziemlich perfekt.

 

Langsam.

Ich bin nicht der geduldigste Mensch. Am Liebsten würde ich alles sofort jetzt in der Sekunde oder am Besten vor 3 Tagen schon fertig haben.

Beim Sport zum Beispiel. Seit 3 Wochen gehe ich wirklich regelmäßig ins Fitnessstudio, achte auf meine Ernährung und trinke ausreichend Wasser. Und trotzdem hab ich noch ein (oder zehn) Speckrollen, mein Bauch schwabelt, und ich kann immer noch nicht 10 km am Stück laufen.

Seit 4 Wochen mache ich jeden Tag 10 Minuten lang Dehnübungen, mit denen mal laut Pinterest in 30 Tagen in den Spagat kommt. Und immer noch komme ich nicht im Stehen bis zum Boden, und im Langsitz zu den Zehen, und mein Rücken ist komisch gebeugt und vom Spagat bin ich so weit entfernt, wie ein Elch von Florida (bussi Papa!;-)).

Seit 2 Wochen schreibe ich Bewerbungen und habe immer noch keinen Job.

Seit 6 Wochen wohnen wir hier in Charlotte, und ich verfahre mich immer noch und kann das Haus ohne Navi nicht verlassen. Und außerdem vermisse ich Richmond jeden Tag.

Eigentlich dachte ich, ich sei 2 Jahre von meinem Uniabschluss entfernt und könnte dann gleich loslegen. Am Mittwoch habe ich erfahren, dass es noch ca 3 Jahre dauern wird, dann muss ich erst mal 2 Jahre arbeiten, bevor ich einen“license“ become- der gilt für 3 Jahre und DANN erst kann ich eine Prüfung ablegen, um ein „national certified Interpreter“ zu werden. Und das auch nur, wenn ich einen Bachelor habe. Also nach den 3 Jahren Studium kommen 4 Jahre Bachelorstudium noch dazu.

Und außerdem hätte ich gerne so ein kleines, feines Häuschen mit Garten und Veranda.

Dabei will ich doch JETZT schon 10 km am Stück laufen können, in den Spagat kommen (oder zumindest meine Zehen berühren können), als Dolmetscher arbeiten können, viele Freunde in Charlotte haben, mich hier auskennen, ein Haus mit Veranda und Kamin haben.

Und dann heule ich rum, motze rum, meckere, bin sauer auf meine Studienberater, die mir einfach was Falsches erzählt haben, bin frustriert, weil ich 27 Jahre alt bin und keinen Uniabschluss habe, seit 3 Jahren in den USA lebe und nachwievor Denk- und Sprechblockaden habe und bei Vorstellungsgesprächen so nervös werde, dass ich einen Stuss erzähle. Und ich kann immer noch nicht NEIN sagen, ohne schlechtes Gewissen und Angst, die Gefühle anderer zu verletzen.

ABER.

Ich habe 27 Jahre lang keinen (oder kaum) Sport gemacht und mich das letzte mal in der Volksschule gedehnt. Kein Wunder, dass ich nach 4 Wochen nicht in den Spagat komme.

Ich bin in meinem Leben nie mehr als 2 km am Stück gelaufen (ok, letztes Frühjahr war ich oft laufen und habe es einmal geschafft, 10 km zu laufen, aber dann konnte ich Tage lang nicht gehen). Es ist also kein Wunder, dass mir dann aufeinmal alles weh tut. Meine Muskeln sind es nicht gewohnt, so beansprucht zu werden. Ich habe etwas Aufholbedarf. Und darum mache ich weiter, auch wenn ich (noch) keine Erfolgserlebnisse sehe. Heute morgen dachte ich zum ersten mal, die Arme sehen etwas fester aus.

Am Mittwoch habe ich den Weg in die Bücherei und zurück OHNE Navi gefunden. Und nebenbei ein süßes Café entdeckt, wo es herrlich nach Bauernbrot und Schafskäse gerochen hat.

Ja, Ausbildung wird noch lange dauern, das ist frustrierend (vorallem kostenspielig). Aber ich lerne immerhin eine komplett neue Fremdsprache. Und einen neuen Beruf. Und das dauert. Und nebenbei beende ich noch mein Sozialwissenschaftsstudium. Oh man. Ich studiere na Sozialwissenschaften. Hatte ich glatt vergessen. Und ich brauch noch 2 Mathekurse und ein Naturwissenschaftskurs und ich bin fertig! Ja, es dauert lange, aber ich muss auch bedenken, dass das alles in einer Fremdsprache ist und ich nicht Mathe und Geologie in einem Semester belegen kann, einfach weil mein Hirn das nicht schafft.

Und es ist frustrierend, dass wir nach 2 Monaten uns immer noch so fremd in der Stadt fühlen. Und es wird dauern, bis es sich hier wie „Zuhause“ anfühlt (in Richmond hat es sich gleich am ersten Wochenende wie „zuhause“ angefühlt, in Argentinien hatte ich nie ein Heimatgefühl).

Aber eines Tages werde ich aufwachen, hinaus gehen und ohne Navi rumfahren. (habe ich in Richmond glaube ich nach 8 Monaten geschafft- also in der Stadt, die Wege, die ich immer fahren musste, konnte ich schnell).

Und eines Tages werde ich es schaffen, 10 km am Stück zu laufen. Und in den Spagat zu kommen (oder auch nicht). Und 1 Minute Plank zu halten. (oder auch nicht).

Und eines Tages werde ich als Dolmetscherin arbeiten, vielleicht bei den Nachrichten, vielleicht in einer Schule, oder am Gericht, oder in der Kirche.

Und eines Tages werde ich ein Haus mit Veranda und Kamin haben. Spätestens im Himmel dann. Denn: „Sammelt euch aber Schätze im Himmel“ (MatthAus 6:20).

Und bis dahin werde ich jeden Tag aufstehen, studieren, versuchen, mich hier einzugewöhnen, Kontakte knüpfen, Arbeit suchen, Klo putzen, bügeln, Musik hören, backen und laufen. Und meine Dehnübungen machen. Denn: „Today’s choice, tomorrow’s body“.

(Irgendwie war das alles wirr, aber mein Kopf ist auch sehr wirr zur Zeit).

 

 

 

 

Let me introduce myself.

Hallo. Ich bin Lisa. Ich bin 27 Jahre alt und ziemlich kurzsichtig und heute möchte ich euch sieben Dinge über mich verraten, die ihr (vielleicht, vielleicht auch) nicht über wisst, da mich Rachele von Racheles Welt gebeten hat, sie zu verraten. Seid gewarnt, ich habe einige „hidden facts“. Also

1. Ich bin nicht so extrovertiert, wie ich vielleicht wirke. Im Gegenteil. Ich bin eher introvertiert und vorallem wahnsinnig schüchtern und verunsichert und traue mich nie jemanden anzusprechen. Daniel muss sogar die Pizza bestellen, weil so ein Schisshaserl bin. Außerdem fürchte ich mich davor, im Aufzug stecken zu bleiben (und wir wohnen im 18. Stock!), vor Hunden (hauptsächlich den Bakterien auf Hunden) und Pferden, mich zu verlaufen und davor mich zu blamieren. Oh und diese gold und silber angemalten Maxerln, die sich nur bewegen wenn man Geld reinschmeißt. Generell HASSE ich Masken und Clowns und krieg Panik wenn ich das Gesicht nicht sehen kann und muss Straße wechseln und so. (Aber ich liiiiebe Verkleidungen- nur das Gesicht muss man halt sehen).

2. Ich liiiebe es zu bügeln. Am Liebsten mit Film.

3. Daniel habe ich bei einem Picknick, das von der Kirche organisiert wurde, kennengelernt- am 19. April 2014.  Sein bester Freund hat uns vorgestellt und ihm erzählt, ich komme aus den Niederlanden. Auf dem Heimweg hat er seinem Mitbewohner erzählt: „I just met the girl I am going to marry“. (Für mich war klar, dass ich ihn heiraten wollte, als wir zusammen eine Fertigbackmischung Semmelknödl und Schwammersoße gekocht haben).

4. Ich träume auf Englisch, manchmal Deutsch und mittlerweile auch auf Gebärdensprache (Übrigens immer der gleiche Traum: Ich versuche meinem Neffen dazu zu bringen, „Wo ist die Mama“ zu gebärden, woraufhin meine Schwester dann imer sagt: der spricht österreichische Gebärdensprache, nicht Amerikanische!).

5. Auf langen Autofahrten schalte ich das Navi ein, nur um mich mit jemanden zu unterhalten.

6. Ich hasse Sport. Es kostet mich jedesmal immense Überwindung einen Kurs zu machen oder laufen zu gehen. Echt, es ist eine Qual für mich und ich genieße es so überhaupt nicht. Das einzige was ich am Sport mag, ist wie gut ich mich danach fühle. Und das Jammern über den Muskelkater.

7. Ich kann Braille lesen und schreiben(?). Allerdings nur das Alphabet und die Zahlen. Akronyme, Punkt und Komma und so muss ich erst lernen. Alllerdings kann ich schon einfache Sätze lesen. Und bin ziemlich stolz darauf und möchte das auch noch perfektionieren.

That’s it.

Argentinien

(Kurzer Gedankeneinschub: yeah, seit Samstag habe ich ENDLICH einen Schreibtisch, und jetzt sitze ich an meinem neuen Platz, am Fenster, und schreibe am COMPUTER und nicht so wie die letzten Monate am Ipad/IPhone auf dem Sofa, im Bett oder in der Küche…)

Heute gehen die Gedanken rund. Nicht nur, weil ich Wohnung aufräume, einräume, umräume, meine ganzen Schulsachen, die jetzt 3 Monate in Kisten irgendwo rumgekulltert sind, wieder einordne, meinen Schreibtisch einräume  und mich langsam auf das kommende Semester vorbereite, sondern auch, weil mir heute mal wieder bewusst geworden ist, wie schnell die Zeit doch vergeht.
Heute vor zehn(!!!) Jahren, haben mich meine Eltern und Schwestern zum Flughafen gebracht und ich bin in das große Abenteuer Schüleraustausch aufgebrochen. 5 1/2 Monate Argentinien.

Man, war ich damals naiv und unvorbereitet. (Gepackt habe ich glaub ich am Abend davor, 1 Koffer und eine Tasche… wenn ich heute ein Wochenende verreise, habe ich mehr Gepäck)

Ich weiß noch, wie ich damals in der Schule die Freistunde mit einer Freundin verbracht habe, als eine Gruppe Austauschschüler zu uns gekommen sind und ihr Programm vorgestellt haben und ich heim gefahren bin und meinen Eltern verkündigt habe: „Ich mach ein Austauschsjahr“. Okay. Also mal informieren, zu Vorbereitungs- und Kennenlerncamps fahren, Formulare ausfüllen, Visum beantragen, Dokumente zusammen suchen und kopieren und schwupps war es August und wir sind zum Flughafen.

Was gab es da Tränen. Und Drama. Und Liebeskummer.

FÜNF MONATE. Das klang damals so unglaublich lang und Argentinien so weit weg. (Ist es ja auch, 2 Stunden von Wien nach Frankfurt, umsteigen, 15 Stunden Flug bis nach Sao Paolo, Zwischenlandung und dann noch mal drei bis nach Buenos Aires, wo es ein Vorbereitungscamp gab und von dort zwei Stunden bis zu meiner Stadt)

Da standen wir also, und die Tränen flossen und ich war super nervös und aufgeregt und ganz kribbelig und als das Flugzeug dann abhob dachte ich nur: „Wow, es geht jetzt wirklich los“

Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat, in Argentinien. Alles war so neu. Und roch so ganz anders. Und alles war spannend. Und ich war so unglaublich müde.

Besonders kann ich mich an den Kaffee erinnern. Ein Löskaffee, gemischt mit Milchpulver und ganz viel Zucker. Unglaublich süß. Und das Haus, in dem meine Gastfamilie lebte, war so ganz anders. Ich kann mich noch ganz genau an den Geruch erinnern. Morgens roch es immer nach verbranntem Toast, zu dem wir einen Art süßen Frischkäse aßen. Und Mate. Das Teegetrank, das jeder Argentinier trinkt. Mein erster Satz, den ich zu meiner Gastmama sagte, brav in Flugzeug auswendig gelernt: ‚Soy Lisa. No te entiendo‘.

Zwar hatte ich zwei Jahre lang Spanisch in der Schule gelernt, aber das half mir nichts weiter. Wenn jemand hochdeutsch lernt und dann nach Vorarlberg kommt. Null habe ich verstanden. Fünf Sätze habe och brav auswendig gelernt, und das war das einzige was ich die ersten Wochen gesagt habe: ‚Hola. Me llamo Lisa. Soy de Austria. No entiendo. Como estas?‘

Langsam, ganz langsam habe ich mich getraut, den Mund aufzumachen. Immer dabei: mein mini Wörterbuch, das am Ende ganz zerfleddert war.

Ich bin in eine Landwirtschaftsschule gegangen. Am Programm stand unteranderem: Schafe schlachten. Bohnen pflanzen. Es war eine kleine Schule mit 120 Schülern, und da ich die einzige Austauschschülerin war, hat mich jeder gekannt. Die Mädchen mussten eine Art Kittel tragen, das war die Uniform. Ich wollte das nicht und bin prompt beim Direktor vorgeladen worden. Einmal, als wir auf dem Weg vom Schulgebäude zum Stall waren, kamen aus dem nichts meine Klassenkameraden und haben mich geschnappt und ihn den Wassertrog geschmissen. Was haben wir gelacht! Allerdings wäre ich beinahe suspendiert worden.

Für meine Mitschüler war ich die reiche Europäerin, weil sich meine Eltern einen Fernseher UND einen Computer leisten konnten und ich mir eine Kamera. Ja, an diese Armut erinnere ich mich gut. Da haben 8 Geschwister in einem Zimmer schlafen müssen, die Stadt war furchtbar staubig und schmutzig. Aber gelacht haben alle- ganz unbeschwert. Ich kann mich erinnern, dass auf der Straße Kinder stehen geblieben sind, um mich anzustarren, weil ich (verglichen mit ihnen) blond und so hellhäutig war und nochdazu so groß).

Und getanzt wurde. Ganz viel. Manchmal haben wir uns im Park getroffen, mit einem CD player und haben getanzt. Auch in der Schule mit den Lehrern.

Auf der Straße gab es ganz viele Straßenhändler, die Schmuck verkauften, einmal sind wir in den Norden gefahren, an die Grenze zu Paraguay (mir ist im Bus so schlecht geworden, dass ich mich mega übergeben haben müssen… 30 Stunden Busfahrt ist halt nicht so einfach), dort gab es die frischesten Früchte, die ich je gegessen habe!

Meine Gastgroßeltern hatte eine Schaffarm, zu der wir gefahren sind. „Nicht weit entfernt“- also 6 Stunden Fahrt. Die Farm lag so abgelegen, das nächste Dorf (mit einer Tankstelle und drei Häusern) war drei Stunden entfernt. Nachts war es so dunkel- und dieser Sternenhimmel, den vergesse ich nie. Die Sterne sahen ganz anders aus, als daheim. Und alles war so unendlich weit. Mein Gastbruder hat gejagt, und so sind wir mit dem Jeep los um Guanacos zu jagen, durch den Fluss und einer Herde hinter her. Geritten haben sie auch, wie richtige Gauchos, aber ich hatte zu sehr Schiss, heute bereue ich es irgendwie…

Einmal sind wir ans Meer gefahren und haben Pinguine, Wale und Seelöwen gesehen… die gab es da en masse. In einem kleinen Restaurant habe ich zum ersten Mal Muscheln gegessen… so ganz begeistert war ich damals nicht, aber meine Gastschwester hat mich aufeinmal angestarrt: „Ich bin so neidisch, du hast ja türkise Augen- das hätte ich auch gerne“

Damals war Kommunikation mit Österreich nicht ganz so einfach. Wir hatten MSN Messenger, und emails und ich hatte eine Telefonwertkarte, mit der ich einmal im Monat zu Hause angerufen habe.

Besonders war es zu Weihnachten und an Silvester- wir lagen am Pool, weil es ja Sommer war. Das war mein erstes Weihnachten ohne meine Familie, und ich hab ganz viel geheult, weil meine Gastfamilie nicht wirklich Weihnachten gefeiert hat, und mir meine Familie so richtig abgegangen ist.

Angst hatte ich nie, gefährlich war es- dachte ich zumindest- nicht. Klar, abends durfte ich nicht allein auf die Straße, und weil wir alle blond und blauäugig und groß war, sind wir immer in Begleitung meines Gastbruders fortgegangen, der uns ‚beschützt‘ hat.

Heute denke ich mir, wie konnte ich nur so unvorbereitet los ziehen? Wenn ich heute verreise, packe ich schon 2 Wochen vorher. Schreibe alle Telefonnummern auf, informiere mich uber alles. Damals- damals hatte ich nichts vorbereitet, fahrma halt mal los.

Es waren tolle fünf Monate. Keine Frage.

Vermisse ich es? Manchmal vermisse ich die Leichtigkeit, na trinken wir halt mal einen Mate und chillen. Heute muss alles organisiert und geplant und gedenkt warden. Dort war alles: „Ja, schau ma mal, ich komm dann mal ruber und wir chillen“.

Und ich vermisse es, Spanisch zu sprechen.

Manchmal, wenn ich ein bestimmtes Wort höre, oder zB verbrannten Toast rieche, denke ich sofort an mein Zuhause in Argentinien.

‚Che‘ war so ein Wort. Alle wurden mit ‚che‘ angesprochen. Ungefähr so, wie hier alle ‚dude‘ sagen.

Als ich wieder heimgekommen bin und im Spanischunterricht spanisch gesprochen habe, musste mich meine Lehrerin daran erinnern, Spanisch Spanisch zu sprechen, und nicht Argentinisch Spanisch. Anfangs tat ich mir im Englisch Unterricht schwer, da sind mir oft die Wörter nicht eingefallen und ich habe einfach ins Spanische gewechselt.

Wow, wie schnell 10 Jahre doch vergehen.

Und wie viel sich in 10 Jahren geändert und getan hat.

 

 

 

 

(Ich wollte zu diesem Beitrag ein paar Fotos von meinem Argentinienabenteuer anhängen, allerdings befinden die sich auf der Festplatte in Österreich… wahrscheinlich würde sich eh jeder nur denken: whaaat? So hat die sich rausgetraut? Ich sage nur Jeans, knielanger Rock drüber, Papas Krawatte und zweifärbige Converse…)

Huch. Ach und: Willkommen 2016

imageHuch… Sind gerade gefühlte 100 Wochen vergangen, ohne dass ich etwas gepostet habe?

Ich habe eine gute Ausrede: Weihnachten, Neujahr, Besuch der Eltern und Schwester, saftige Verkühlung und kein Internet… Jetzt muss ich immer ins Kaffeehaus, auf die Uni oder ins Fitnessstudio(!) gehen, um diesen überlebenswichtigen Saft namens Wi-Fi zu bekommen. Aber ich verspreche: bald, ganz bald kommt ein Update!

 

Jahresrückblick 2015

Eigentlich hatte ich ja vor, bis Neujahr in Weihnachtspause zu sein. Aber, manchmal kommt das Leben dazwischen. In meinem Fall in Form eines Hexenschusses und nun liege ich mit Heizdecke im Bett und checke Emails und Noten, da kann ich ja genauso gut einen Jahresrückblickpost schreiben. Diesmal etwas früher, aber erstens ist gleich Weihnachten und zweitens kommen meine Eltern und jüngste Schwester, da hab ich dann keine Zeit, sentimental auf das Jahr zurück zu schauen!

Also. Here it comes.

Wahnsinn. 2015 ist vorbei. Dabei hat es doch erst gestern begonnen!
Und weil es bei mir schon Tradition ist, dass ich mir Gedanken über das vergange Jahr und das kommende Jahr mache, gibt es auch heuer wieder, so wie 2013 und 2014 schon, einen kleinen Rückblick. Wo ich das Original herhabe, kann ich leider nicht sagen, wenn es wer weiß, bitte dazuschreiben:-)

  1. Ganz grob, auf einer Skala von 10: Wie war dein Jahr? Ich denke, im Großen und Ganzen eine 8.
  2. Zugenommen oder Abgenommen?
    Ziemlich gleich bleibend, jetzt gegen Ende hin stressbedingt abgenommen. Besonders am kleinen Zehen!
  3. Haare länger oder kürzer? Kürzer. Dabei habe ich sie soooo brav wachsen lassen. Und dann kam das Hairsaster und nach monatelangen geduldig wachsen lassen, hat es mir gereicht und ich habe 10 cm hinniches Haar abgeschnitten. Ich habe halt liebe kurzes, schönes und gesundes. als langes, schirches, hinniches Haar.
  4. Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
    Definitiv kurzsichtiger. Bin richtig schaßaugat worden, naja, aber dank meiner Hornhautverkrümmung bekomm ich die Linsen nun teilweise von der Krankenkasse bezahlt. Muss es ja positiv sehen:-)
  5. Mehr Kohle oder weniger?
    Weniger. Thanks Visa and USA
  6. Besseren Job oder schlechteren?
    Auf Grund der Visumsregelungen darf ich nicht arbeiten. Gilt Studentin als Job?
  7. Mehr ausgegeben oder weniger?
    Hmm… wegen Visum hab ich eindeutig extremst viel mehr ausgegeben. Aber dann war ich echt super sparsam und hab kaum etwas ausgegeben.
  8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
    MEXICAN TRAIN.
  9. Mehr bewegt oder weniger?
    Mehr. Eindeutig mehr.
  10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
    Eine Lebensmittelvergiftung und Anfang des Jahres war ich ziemlich verkühlt, ach ja und im September war ich auch kurz krank.
  11. Davon war für dich die Schlimmste?
    Lebensmittelvergiftung. URGH
  12. Der hirnrissigste Plan?
    Beschließen, in den Staaten zu bleiben. Und in ein kleines Dorf in den Bergen zu fahren, um einen Christbaum zu kaufen. 10 Stunden Fahrt. Not worth it. Und mich bei Instagram anzumelden. Bin jetzt schon wieder genervt
  13. Die gefährlichste Unternehmung?  Mit Hexenschuss Weihnachtsbesorgungen machen. AUA
  14. Die teuerste Anschaffung?
    Visum, Flug und Unikurse
  15. Das leckerste Essen?
    Homemade Sauerkraut und Knödeln by Mama. Und der Wahnsinns Apfelkuchen meiner Schwester. Und immer wieder Kürbiscremesuppe.
  16. Das beeindruckendste Buch? ‚A Night To Remember‘ von Walter Lord und ‚Jane Eyre‘ von Charlotte Brontë
  17. Der ergreifenste Film?
    Titanic. Sorry guys, aber ich oute mich hiermit als Titanic Fan. Hab ihn gleich 2 mal hintereinander gesehen und war so ergriffen. Und ‚Rudy
  18. Die beste CD?
    Meine neue Bluegrass CD und meine wieder entdeckten Kinderhörspiele, die ich immer zum Einschlafen höre.
  19. Das schönste Konzert?
    Das Gesinge vom Buben im Auto. Und das Kindergartenkonzert der Mittleren. Oh und ich war auch in der Symphonie.
  20. Die meiste Zeit verbracht mit? Dem Freund
  21. Die schönste Zeit verbracht mit? Dem Freund, meinen Eltern im Urlaub, mit den Kindern.
  22. 2015 zum ersten Mal getan?
    Star Wars gesehen. Oh und Instagram.
  23. 2015 nach langer Zeit wieder getan? Mit den Eltern auf Urlaub gefahren, gestrickt, Eierlikör getrunken
  24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
    – Jedes einzelne Visumsbezogene Drama. Das waren aber auch viele.
    -DAS HAIRSASTER. OMG. So unnötig. Ich leide immer noch an den Folgen und musste mir im Endeffekt doch die Haare abschneiden- alle 2 Monate zum Frisör um 2 cm abschneiden zu lassen. NIE WIEDER.
    -Diskussionen
  25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
    Winterjacke anziehen, wenn es kalt ist, Sonnenhut aufsetzen, wenn die Sonne scheint, „du brauchst keine Windel mehr und nein, es gibt nicht jedes mal M&M’s wenn du aufs Klo gehst“, und meine Eltern, dass ich hier bleiben will
  26. Das schönste Geschenk, das ich jemanden gemacht habe? Zeit
  27. Das schönste Geschenk , das mir jemand gemacht hat? Zeit
  28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt  hast? „You are my best friend“ (Das Nicht-Mehr-Baby)
  29. Der schönste Satz, den ich zu jemanden gesagt hab: I love you
  30. Dein Wort des Jahres?
    Pottytraining. DUH.
  31. Dein Unwort des Jahres:
    DRAMA
  32. Deine Lieblings-… des Jahres? Schmuckstück: mein Perlenarmband von der Oma.
  33. Spontanste Aktion im Jahr 2015?
    Über 4th of July nach Minnesota zu fliegen
  34. Was war die größte Veränderung in diesem Jahr?
    USA. Oh und: Ich habe mich geschlagen gegeben und nun auch endlich Instagram, nachdem ich Hinterwelter mich jahrelang geweigert habe haha
  35. Was nimmst du dir für 2016 vor? eine Instagramberühmtheit zu werden. Haha, Spaß! Ich möchte weiterhin gute Noten bekommen, den Mut haben, ‚Nein‘ zu sagen und den Mut haben, zu meinem ‚Ja‘ zu stehen.

 

Dann habt noch eine schöne (Vor-)Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und wir sehen uns dann im neuen Jahr!

Wie alles begann.

Oder: ‚Wieso bleibst du nicht einfach da?‘

Diese Frage stellte mir meine Biblestudyleiterin, als ich mit ihr über mein ‚Ich weiß nicht, ob ich hier bleiben soll oder was ich zu Hause tun soll…‘ Dilema geredet habe. Es war 3 Tage nachdem ich aus meinem Heimaturlaub wieder zurück gekommen war, wir saßen nach der Bibelrunde noch auf der Terrasse und sie fragte mich, was ich denn so vor hab, nachdem mein Jahr hier zu Ende war (damals war es ja ’nur für ein Jahr‘) „Bleib doch einfach da“… diesen Satz musste ich erst einmal verdauen. „Einfach dableiben“ ging in den USA nicht so einfach.

Allerdings… warum nicht? Was wenn…

Ziemlich schnell schob ich diesen nicht zu Ende gedachten Gedanken zur Seite und gab mich damit zufrieden, für 6 Monate zu verlängern, im Sommer heimzukommen, in meine alte Wohnung zu ziehen und im Herbst anfangen zu studieren.

Und dann ging ich mit einer Freundin spazieren und dachte: „Warum eigentlich nicht hier bleiben?“

Das war der Moment, an dem ich anfing, Gott zu bitten, mir Türen zu öffnen. Nächte lang lag ich wach und betete, weinte, schmiedete Pläne, flehte ihn an, bis ich im November beschlossen hatte: Ich fahr heim, es gibt keine Möglichkeit für mich, hier zu bleiben.

Und dann kam der Tag, an dem ich heulen in meiner Dienstagsfrauenbibelrunde saß und in mein Taschentuch schluchzte: „Ich würd so gern da bleiben…“ Als Antwort kam dann: „Dann beten wir dafür und du schaust, was du am Unterlagen brauchst“

Ja und dann begann das ganze Visumsdrama. Telefonate wurden geführt, Recherchen wurden gemacht, Tränen sind geflossen, Berechtigungstests wurden geschrieben, Formulare wurden ausgefüllt, noch mehr Tränen wurden vergossen, alles wurde abgebrochen, noch mehr Tränen sind geflossen, alles wieder ausgedruckt und neu ausgefüllt… in meiner wöchentlichen Bibelrunde war ich regelmäßig in Tränen ausgelöst, weil ich nicht wusste, wie was wann wo…  regelmäßig beteten wir ‚öffne Türen…‘

Und Türen wurden geöffnet! Und irgendwann war es dann auf einmal Anfang Juli und ich habe meinen Visumsantrag abgeschickt, bin nach Hause geflogen, zur Botschaft gefahren und habe mein Visum bekommen. (Nicht ohne Drama, Tränen, schlaflosen Nächte …)

Und nun stehe ich kurz vor meiner (erneuten) Abreise. Die Koffer sind (größtenteils) gepackt, Kisten im Keller verstaut, ein letztes Mal noch zum Zahnarzt, Augenarzt, zur Oma auf einen Kaffee…

Wenn ich daran denke, dass ich vor 15 Monaten scherzhaft zu einer Freundin meinte: „Ich könnt ja einfach da bleiben…“ und dann all das Drama, die Unwissenheit…

Mit 20 Jahren oder so, habe ich mal gemeint: „ich will unbedingt in den USA studieren“ Das schien alles damals so unmöglich und weit entfernt. Und nun tue ich es wirklich.

Und ich habe etwas ganz Wichtiges gelernt:

  1. Ich muss MEINEN Weg gehen.
  2. Gott antwortet. Auf seine Art und Weise. Und ich muss „nur“ vertrauen.
  3. Drama bringt nix. Außer schlaflosen Nächten.